Facebook steht für die Zensur von Courbets "Der Ursprung der Welt" vor Gericht

Für die Zensur eines Posts mit dem berühmten Gemälde von Gustave Courbet und der Sperrung des betreffenden Benutzerkontos musste sich Facebook am 1. Februar vor Gericht stellen.

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Die Geschichte begann vor sieben Jahren. Am 27. Februar 2011 beschloss der Lehrer Frédérick Durand-Baïssas, ein Foto des berühmten Gemäldes von Gustave Courbet Der Ursprung der Welt zu posten. Am nächsten Tag hatte Facebook sein Konto deaktiviert. Die Nutzungsvereinbarung wurde verletzt: Es ist verboten Inhalte mit "Nacktheit" zu posten.

Daraufhin beschloss der Internet-Nutzer am 4. Oktober 2011 eine Beschwerde gegen Facebook einzureichen, welche die Reaktivierung seines Kontos beinhaltet. Dies sollte der Beginn eines Rechtsstreits werden, der nun schon fünf Jahre andauert: Facebook versuchte, den Fall zu den amerikanischen Gerichten zu bringen, mit dem Argument, dass der Hauptsitz des Unternehmens in Kalifornien liegt.

Im Februar 2016 beschloss dann das Pariser Berufungsgericht, dass die französische Justiz für die Beurteilung von Facebook zuständig sei. Gestern, fast ein Jahr später, wurde der Prozess endlich eröffnet.

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Offensichtlich geht es in dem Fall nicht nur darum, ein zensiertes Konto zu reaktivieren. Das Ergebnis des Urteils könnte durch eine Rechtsprechung Facebook dazu zwingen, seine Nutzungsvereinbarung zu ändern, in der Nacktheit nicht gezeigt werden darf.

Dennoch ist der Fall nicht ganz so leicht zu lösen, da Nacktheit nicht verboten, sondern nur eingeschränkt wird. Der Anwalt des Lehrers, Maître Stéphane Cottineau, ist von dieser Stellungnahme jedoch wenig überzeugt und äußerte sich gegenüber France Info :

"Facebook ist nicht über das Gesetz in Frankreich erhaben. Das Unternehmen muss ebenso das Recht auf Meinungsfreiheit respektieren, welches die Grundlage unseres Rechtes ist. "

Zusätzlich zu den Grenzen der Meinungsfreiheit wird das Gericht auch bestimmen, ob Frederick Durand-Baïssas' Konto reaktiviert werden kann. Zuletzt wurde bekannt, dass er noch sieben Jahre gesperrt sei.

Nach der Veröffentlichung unseres Artikels baten wir Delphine Agnes, Direktorin der Öffentlichen Angelegenheiten von Facebook in Europa, sich zu dem Fall zu äußern: "Der Ursprung der Welt ist ein äußerst bedeutsames Bild, das einen perfekten Platz auf Facebook hat. Es liegt uns am Herzen, dass Facebook auch weiterhin ein kultureller Treffpunkt bleibt. "

Von Pierre Schneidermann, veröffentlicht am 01/02/2018

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