In China stehen Elektroautos unter extremer Überwachung

Hat die Technik ihre Seele an Big Brother verkauft?

Das Innere eines Tesla Model S © Wikipedia

Im Land der Massenüberwachung leisten nun auch Elektroautos ihren Beitrag zum gläsernen Bürgertum. Nach Angaben der Agentur AP übermitteln mehr als 200 Hersteller die gewonnenen Daten aus der Fahrzeugnutzung an die chinesischen Regierungsbehörden.

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Bei den Ermittlungen tauchten einige große Namen der Automobilindustrie auf: Tesla, Volkswagen, BMW, Daimler, Ford, General Motors, Nissan oder Mitsubishi. Neben den wichtigsten übermittelten Daten, wie der GPS-Koordinaten des Fahrzeugs fallen noch "Dutzende andere Informationen" in die Hände der chinesischen Datenanalysten.

Auf Anfrage wehrte China jedoch den Vorwurf der Einführung einer umfassenden Überwachung ab. Die Daten würden gesammelt, um "die öffentliche Sicherheit zu verbessern, die industrielle Entwicklung und die Infrastrukturplanung zu erleichtern und Betrug in Grant-Programmen zu verhindern".

Da wir aber bereits wissen, dass China in die Videoüberwachung investiert, dort künstliche Intelligenz einsetzt und bald die Nation sein wird, in der alle Bürger bewertet werden, sind solche Nachrichten alles andere als verwunderlich.

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Die Autohersteller argumentieren damit, dass sie sich lediglich an die chinesische Gesetzgebung halten. Diese zwingt sie Daten, die durch ihre Fahrzeuge gewonnen werden an die Behörden zu übermitteln. Tatsächlich sind es aber wirtschaftliche Anreize, die sie zur Mithilfe ermutigen.

Auf der Seite der Kunden weiss nur jeder neunte Fahrer von dieser Datenübertragung.

Die umfangreichen Daten, auch Teil der Big Data, sind extrem wertvoll. In Shanghai übermitteln bereits 220.000 Fahrzeuge Informationen an das "Shanghai Electric Vehicle Public Data Collecting, Monitoring and Research Center". Mit der Zeit konnte das Center ein Datenvolumen von 7,6 Milliarden Kilometern ansammeln. Eine echte Goldgrube, von der viele gerne etwas abhaben würden.

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AP enthüllt weiter, dass die gesammelten Daten auch die technischen Eigenschaften des Fahrzeugs betreffen. Somit könnten einige geheime Technologien offengelegt werden, die für chinesische Unternehmen nützlich sind.

Muss die Technologie ihre Seele an Big Brother verkaufen, um ihre Märkte zu erweitern? Eine schreckliche Frage. Aktuell auch ein brisantes Thema bei Google: Mitarbeiter des Unternehmens rebellieren gegen die geplante zensierte Version "Dragonfly" für den chinesischen Markt.

Von Pierre Schneidermann, veröffentlicht am 30/11/2018

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