«Frau am Herd im Bundeshaus»: Twitter packt die Sexismus-Keule aus

Viola Amherd und Karin Keller-Sutter heissen die beiden neu gewählten Bundesrätinnen. Dass das Internet nun seinen Senf dazugibt, ist klar.

Es fing schon vor der Wahl an, an diesem Mittwochmorgen, an dem in den Büros der Nation die Livestreams aus Bundesbern liefen: Die Internetkommentare begannen früh reinzutröpfeln. und damit auch die dummen Sprüche. Und zwischen Sprücheleien und Sexismus verläuft oft ein schmaler Grat, auf dem die Twittergemeinde traditionellerweise nicht sonderlich gekonnt balanciert.

Amherd. Haha. Am Herd.

Viola Amherds Name gab den ganz witzigen unter den Internet-Senf-Dazugebern schonmal eine Steilvorlage, ihre Wortspielwaffen zu wetzen. Dieser Beitrag hier darf wohl als Satire abgetan werden, über die wir lachen dürfen:

Das auch (?)

Höhö.

Freundlicherweise nimmt ein anderer Twitter-User allen potenziellen Am-Herd-Witzbolden dann bald einmal den Wind aus den Segeln und erklärt:

Dass solche Kommentare nicht immer mit einem Augenzwinkern gemeint sind, zeigt die Geschichte. Der Sexismus in der Politik war in der Vergangenheit immer wieder Thema. Als Elisabeth Kopp 1984 als erste Frau in den Bundesrat gewählt wurde, durften Frauen in Appenzell-Innerrhoden noch nicht einmal abstimmen. Die Gleichberechtigung, auch auf dem Papier, war noch weit weg. Entsprechend musste Kopp auch mit Gegenwind kämpfen. Ihren erzwungenen Rücktritt hatte sie zwar selbst zu verantworten (sie leitete ausgerechnet ihrem Ehemann eine vertrauliche Information weiter), als Mann hätte sie ihn jedoch vielleicht abwenden können.

2017 ging ein Foto von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker um die Welt, auf dem er eine sichtlich nicht gerade begeisterte Bundesrätin Sommaruga auf die Backe küsste. 

Dafür weigerte sich der iranische Präsident Rohani später, ebenjener Sommaruga die Hand zu schütteln – weil sie eine Frau ist.

Hierzulande ist der Sexismus oft subtiler, aber zotige Sprüche sind im Internet dennoch nie Mangelware. Nach der glanzvollen Wahl der beiden neuen Bundesrätinnen zeigt sich schon: Sie dürfen sich wohl auf einiges gefasst machen. Eine erste, unkommentierte, Auswahl aus dem breiten Spektrum zwischen gelungener Satire, schlechtem Witz und reinem Sexismus:

Was auch immer die beiden neuen Bundesrätinnen erwartet. Mit einer Frage werden sie sich (hoffentlich) nicht konfrontiert sehen, ganz anders als die norwegische Fussballerin Ada Hegerberg, die am Montag den «Ballon d'or» entgegennahm und dann darauf antworten musste:

Von Matthias Gräub, veröffentlicht am 05/12/2018