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So gut (und schlecht) haben Schweizer Filme im Oscar-Rennen abgeschnitten

Wolkenbruch ist der neuste von ihnen

Der erfolgreichste Schweizer Film 2018 darf sich bald mit internationaler Konkurrenz messen: Das Bundesamt für Kultur schickt Wolkenbruch ins Oscar-Rennen um den besten ausländischen Film.

Der Spielfilm von Michael Steiner (Die Vorlage dazu ist Thomas Meyers Bestseller Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse) behandelt den jungen Motti Wolkenbruch, einen orthodoxen Juden in Zürich, der sich in eine «Schickse» verliebt, also in eine nichtjüdische Frau. Das komödiantische Familiendrame ist vorprogrammiert.

Nun kommt der Film erstmal auf die Longlist der Hollywood-Academy. Ob Wolkenbruch an der Oscar-Verleihung am 9. Februar tatsächlich unter den fünf besten ausländischen Filme sein und die Chance auf eine goldene Statuette haben wird, entscheidet sich im Januar. Die Jury scheint jedenfalls überzeugt von ihrer Auswahl:

«Die Schweiz schickt dieses Jahr einen Film ins Rennen, der grossen Anklang beim Publikum findet. Wo wird ein Mensch hineingeboren und wie findet er seinen eigenen Weg? Regisseur Michael Steiner hat diese Fragen humorvoll und bewegend inszeniert. Die Komödie «Wolkenbruch» überzeugt mit ihrem hochkarätigen Schauspielensemble. Insbesondere der Hauptdarsteller Joel Basmann wird ein wichtiges Gesicht in der Oscar-Kampagne sein.»

Frühere Gewinner...

Die Schweiz schickt praktisch jedes Jahr einen Film ins Oscar-Rennen. Seit 1970 kam der helvetische Beitrag dabei gerade einmal achtmal in die Endauswahl. Zweimal davon hat ein Schweizer Film auch tatsächlich abgeräumt.

Das ist aber lange her. 1985 gewann ein gewisser Film mit dem Titel Gefährliche Züge den Oscar als bester ausländischer Film. Klingt spannend. Aber bei der französisch-schweizerischen Koproduktion geht es nicht etwa um heisse Eisenbahn-Verfolgungsjagden... sondern um Schach.

Wer noch nie von Dangerous Moves oder La Diagonale du fou gehört hat (so heisst der Film auf englisch und im französischen Original), ist nicht allein. 

Etwas bekannter ist der Gewinner von 1991, Reise der Hoffnung von Xavier Koller.

Darin geht es um eine alevitische Familie, die von der Türkei in die Schweiz flüchten will. Ein Thema, das auch heute aktueller kaum sein könnte und ein Film, der auch heute noch äusserst sehenswert ist.

Die letzten beiden Schweizer Filme, die auf der Oscar-Shortlist landeten, waren – genau wie das Schachspektakel von 1985 – Koproduktionen mit Frankreich. Frankophone Filme scheinen bei der Oscar-Jury irgendwie besser anzukommen als deutschsprachige. 2013 war es Ursula Meiers Skiressort-Drama Sister (L'Enfant d'en haut).

Und auch der Animationsfilm Mein Leben als Zucchini (Ma Vie de Courgette) schaffte es bis in die Endauswahl.

... und Nieten

Viel häufiger als die erfolgreichen Oscar-Jahre waren für die Schweiz in jüngster Vergangenheit allerdings die Nietenjahre, in denen der Schweizer Kandidat auf der Longlist hängenblieb. Dabei waren durchaus auch mal gute Filme dabei. Eine kleine Auswahl von Schweizer Filmen, die es nicht in die engere Oscar-Auswahl geschafft haben:

1991: Markus Imhoof - Der Berg

2000: Daniel Schmid - Beresina oder die letzten Tage der Schweiz

2008: Bettina Oberli  - Die Herbstzeitlosen

2015: Stefan Haupt - Der Kreis

2018: Petra Volpe - Die göttliche Ordnung

Ob es der neueste Beitrag, Wolkenbruch, weiter schafft, entscheidet die Oscar-Jury am 13. Januar 2020. Wer den Film sehen will, sollte sich mal im Open-Air-Kinoprogramm umschauen, dort ist er diesen Sommer nämlich landauf, landab immer mal wieder zu finden. Und wer etwas Geduld hat, kriegt ihn bald auch ins Wohnzimmer gestreamt. Wolkenbruch ist nämlich der erste Schweizer Film, der weltweit auf Netflix gezeigt wird. Das Ganze soll noch dieses Jahr passieren.

Von Matthias Gräub, veröffentlicht am 19/08/2019

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