Langweiliges Design, Riesenerfolg: Wie M-Budget cool geworden ist

Die Billigmarke von Migros macht irgendetwas richtig. Sie ist bei Schülerinnen und Studenten Kult geworden, obwohl das eigentlich gar nicht möglich war.

Schlichter geht's nicht: grüner Hintergrund mit x-fachem Migros-Schriftzug, darüber ein weisses Feld mit Produktnamen und Preis. M-Budget kommt so billig und bünzlig daher, wie es nur möglich ist. Und trotzdem ist die Billigmarke cool. Wir planschen mit aufblasbaren M-Budget-Luftmatratzen auf dem See, feiern Budget-Parties und decken uns an Open-Airs im grünweissen Festzelt mit günstigen Energydrinks ein. Seit Neuestem gibt's in der Ostschweiz sogar ein Hotelzimmer im Migros-Budget-Look: Im Vier-Sterne-Hotel Säntispark - für 99 Franken 90, inklusive Sauna-Eintritt.

© M-Budget via Facebook

Doch wie kann das sein? Wie ist es möglich, dass Eine Billigmarke Kult wurde? Am Preis allein kann's nicht liegen. Die Billig-Linie des Konkurrenten Coop, Prix Garantie, ist nicht halb so sexy wie M-Budget. Und um eine Aldi-Lounge auf dem Festivalgelände würden wir wohl einen grossen Bogen machen. Migros-Mediensprecher Patrick Stöpper erklärt, was die Marke ursprünglich sein sollte:

«M-Budget entstand in einer Zeit, als verschiedene Harddiscounter in den Schweizer Markt eintraten. Die Migros wollte den Kundinnen und Kunden ein Angebot präsentieren, das eine Basisqualität aufweist und besonders günstig ist.»

Man wollte also konkurrenzfähig bleiben, etwa gegenüber den Billig-Supermärkten Aldi und Lidl, die von Deutschland her in die Schweiz stiessen. Viel mehr als das wollte Migros eigentlich gar nicht erreichen. Aber die Jugend entdeckte die Billiglinie für sich.

«Die Entwicklung zur Kultmarke geschah vor allem durch Studenten und Auszubildende, die grosse Fans der Produkte wurden und dann auch tatsächlich erste M-Budget-Parties organisierten.»

In Discos in der ganzen Schweiz wurden Festchen organisiert mit fixen Eintrittspreisen und Budget-Cola und -Chips inklusive. Und längst nicht alle von ihnen waren Migros-konform alkoholfrei...

Sonnenbrille: 3.95

Der Budget-Marke und den Verantwortlichen war's egal. Und weil es die Jungen waren, die dem Erfolg damals auf die Sprünge geholfen haben, sind es seither die Jungen, die mit den grün-weissen Produkten angesprochen werden. Mit Kreditkarten, Handyabos - und eben Festival-Sponsoring. Dazu gibt's sogar einen Fanshop, in dem es einen Mini-Pingpongtisch oder Chucks für 20 Franken zu kaufen gibt. Und das im immer gleichen, eigentlich ja so langweiligen - und alles andere als jugendlichen - Design.

«Das Markenzeichen und gleichzeitig wichtiger Anteil am Kult der M-Budget-Produkte ist das grüne Verpackungsdesign. Dieses wurde über zwei Jahrzehnte nur leicht im Design angepasst.»

Der Erfolg gibt ihnen Recht: Die Migros hat die Gunst der Stunde genutzt, dafür können wir nur Respekt zollen. Aber eine Bitte hätten wir trotzdem noch: Schafft die Ganzkörper-Kapuzen-Strampelanzüge wieder ab, die sehen nämlich schrecklich aus!

© M-Budget via Facebook

Von Matthias Gräub, veröffentlicht am 30/11/2018