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Wer erinnert sich noch an die Ski-Challenge? Es gibt sie imfall immer noch

Ihr könnt jetzt auf dem Handy stemmbögelen.

© Offline Challenge 19

14 Jahre ist es her, im Winter 2004-2005, da kam die erste Ski Challenge auf die Computer der österreichischen Skifans. Bald darauf war auch die halbe Schweiz angefressen vom digitalen Stemmbogenfahren in Wengen, Kitzbühl & Co. 

Jahr für Jahr kamen neue Skipisten dazu, neue Rennmodi und neue Möglichkeiten, das Material anzupassen (je länger die Latten, desto schneller gehts Bergab. Dafür kommt man dann kaum noch um die Kurven). Hunderttausende Hobby-Cuches und Digital-Défagos massen sich damals an der internationalen Konkurrenz, fuhren gegen Skifahrer-Geistli und kämpften um Ideallinien und Hundertstelsekunden. Erst nur auf dem PC, später auch auf Handys und Tablets.

Dann, 2016, kam das Aus. Und irgendwie merkte es kaum jemand. Das Interesse war abgeflaut, die Grafik – früher noch durchaus am Zahn der Zeit – war inzwischen nur noch mässig beeindruckend, und der österreichische Entwickler Greentube liess sein Projekt sterben.

Doch der Geist der Ski Challenge lebt bis heute weiter. Ein kleines Schweizer Team hat es von den Toten erweckt. Allen voran Hanspeter Waller, der sich unter dem Spitznamen MustangRocks die virtuellen Skipisten runterstürzt. Auf Anfrage von Konbini erzählt er, wie das kam:

«Als im September 2016 die traurige Nachricht kam, dass die Spielserie nicht mehr weitergeführt werde, konnten und wollten wir das so nicht hinnehmen. Es musste also wenigstens eine Lösung her, dass wir zusammen immer noch heisse Kämpfe auf den Abfahrtsstrecken austragen konnten.»

Der Softwareentwickler tüftelte an der Mobile-Version des Originalspiels herum, bis er es auf seinem Handy spielen konnte. Die gehackte Version ging in seinem Freundeskreis herum, bald tauschten diese sechs Ski-Challenge-Fans ihre Bestzeiten aus und fuhren im kleinsten Kreis um die Wette. 

Aus der Versenkung gehackt

© Offline Challenge 19

Während die Ski-Challenge für die Meisten völlig vom Radar verschwand, holte sie MustangRocks mit seinen Kollegen allmählich wieder aus dem Koma – unter dem Namen Offline Challenge. 75 Spieler waren es im Winter 16/17, die sich in der inoffiziellen Version miteinander massen.

«Wir haben eine Anfrage an Greentube geschrieben, ob wir diese Version in Foren zur Verfügung stellen dürfen und haben leider bis heute keine Antwort bekommen. Nach dem Motto ‹keine Antwort ist auch eine Antwort› haben wir die Software im November 2016 auf Google-Drive bereitgestellt und in diversen Foren die Links darauf veröffentlicht.»

Aus den 75 Nasen wurden im Winter darauf deutlich mehr:

«Da wir rechtlich, auch heute noch, in einer Grauzone unterwegs sind, wurde lange diskutiert, ob es denn ‹ohne Gefängnisbesuch› möglich wäre, die App auch via Google Play zur Verfügung zu stellen.»

Die Unvernunft gewann – seither gibt's die Challenge auf Google Play zum Download. 50'000 Downloads hatte die App im vergangenen Winter. Diesen Winter sind es bis jetzt 40'000, dafür wurde aus der Offline Challenge eine Online Challenge

Und mit der können wir uns nun wieder mit einer weltweiten Konkurrenz messen. Wir haben es auf dem Lauberhorn schon probiert – und sind grauslig im Fangnetz gelandet. Die Kipp-Steuerung auf dem Handy will geübt sein. 

Gewinn machen MustangRocks und seine Kollegen mit ihrer Version des Spiels nicht. Ihre Website finanzieren sie mit Spenden von dankbaren Fans, der Gewinn reiche «für eine gute Flasche Wein» aus, aber den Entwicklern ist das egal:

«Ein Konzern muss mit seinen Produkten auch immer einen Gewinn erwirtschaften, zum Glück müssen wir als Fan-Projekt das nicht und sind einfach nur happy, wenn möglichst viele Leute weiterhin Freude an diesem Spiel haben können.»

Probiert's aus. Zum Download für Android geht's hier. Für Apple-Geräte gibt's leider nichts.

Von Matthias Gräub, veröffentlicht am 08/02/2019