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Sind Drohnenshows der Tod des 1.-August-Feuerwerks?

Das Züri-Fäscht war nur der Anfang.

Zweieinhalb Millionen Zuschauer waren am vergangenen Wochenende am Züri-Fäscht, dem grössten Volksfest der Schweiz, das nur alle drei Jahre stattfindet. Mehr denn je, obwohl die Zürcher nicht einmal gross Werbung dafür gemacht haben.

Wie jedes Mal gab es auch dieses Jahr ein grosses Feuerwerk zu bestaunen, aber dieses Jahr bot der Himmel über dem Zürcher Seebecken auch noch eine Neuigkeit: Eine Drohnenshow. 150 LED-leuchtende, programmierte Flugroboter boten ein hübsches Ballett.

Organisiert und gesponsert war das Ganze von den Zürcher Energiewerken EWZ. Und betrieben, wie sie selber schreiben, mit 100 Prozent Naturstrom. Das ist ein Gamechanger. Denn Feuerwerke sind nicht nur teuer, sie sind auch eine Qual für Haus- und Wildtiere, die gerne schlafen möchten, verursachen eine Unmenge an Abfall und verpesten erst noch die Luft. Das Bundesamt für Umwelt schreibt etwa:

«Was die Augen erfreut, bekommt den Atemwegen weniger gut. Denn wo Feuerwerk gezündet wird, kann die Feinstaubbelastung zumindest kurzzeitig und örtlich beträchtlich steigen.»

und weiter:

«Beim Abbrennen entstehen daraus etwa 320 Tonnen Feinstaub. Als Niederschlag gelangt er auch in Böden und Gewässer. Gesamthaft werden in der Schweiz aktuell etwa 18'000 Tonnen Feinstaub pro Jahr ausgestossen. Feuerwerke tragen also 1 - 2 Prozent zur jährlichen Gesamtbelastung bei.»

Das war's noch nicht ganz

Wir wollen hier nicht Spassbremse spielen und Feuerwerk sieht schon ziemlich cool aus. Aber wenn wir es irgendwie hinkriegen, das Ganze gleich gut auch mit Drohnen hinkriegen, können wir doch den ganzen umweltschädlichen Seich gleich sein lassen, oder?

Einziges Problem: Das Drohnenspektakel am Zürichsee war schon ganz hübsch, aber eben, es konnte noch nicht mit dem Feuerwerk konkurrenzieren.

Dass es aber durchaus auch spektakulärer geht in Sachen Drohnenshow, zeigen Anlässe in Deutschland, den USA und – vor allem – China.

Erstmals richtig öffentlichkeitswirksam wurden die synchronfliegenden Quadcopter am Superbowl 2017, als sich ein paar hundert davon hinter der singenden Lady Gaga zu einer US-Flagge formierten. Später kam aus, dass die Drohnen zwar sehr wohl über dem Football-Stadion flogen, aber lange vor dem Anlass; sie wurden während der Übertragung für die TV-Fans digital reinmontiert.

In Frankfurt tanzte ein Ballett aus 110 LED-Drohnen 2018 zu einer Symphonie.

In ganz anderen Dimensionen bewegt sich die US-Firma Intel, die 2018 einen Weltrekord mit 1500 Drohnen aufstellte. Das gleicht schon sehr einem Feuerwerk. Und die Weltkugel aus Drohnen ist ziemlich heiss.

Unsere Favoriten in Dingen Drohnenshow kommen aber aus China. Die beiden Städte Xi'an und Guiyang zeigen, wie viel Kunst mit Drohnen möglich ist. Da kann ein klassisches Feuerwerk kaum mehr mithalten. Zumindest kann man mit einem solchen keine Schriftzüge, Schmetterlinge und 3-D-Skulpturen an den Nachthimmel zaubern.

Etwas in dieser Dimension möchten wir in der Schweiz auch sehen. Zum Beispiel am Züri-Fäscht in drei Jahren. Das sollte hinzukriegen sein. Und vielleicht, aber nur vielleicht, ersetzt das Drohnenballett eines Tages die Dreckschleudern am 1. August. Die Dreckschleudern, die wir ja, zugegeben, schon ziemlich gerne anschauen, solange es sie noch gibt.

Von Matthias Gräub, veröffentlicht am 12/07/2019

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