Neue Ausstellung und Kollektion: Baden wir bald alle in 30er-Jahre-Bikinis?

Retro ist jetzt auch in der Badi angesagt

Rückblickend haben wir nicht allzu viel gutes über die 1930er-Jahre zu erzählen. Schliesslich war es das Jahrzehnt, in dem die Nazis das Kommando übernahmen und die Welt in Chaos stürzten. Ohne die hätten die 30er jedoch das Potenzial gehabt, zu einer ziemlich guten Zeit zu werden. Auch, was die Emanzipation der Frau anging. 

Frauen begannen gerade, mehr zu sein als das Heimchen am Herd, bevor Hitler sie zurück in die Küche beorderte. Das sah auch am Strand und in der Badi so aus, wie dieses Video zeigt (OK, der Sprecher bringt schon noch ziemlich chauvinistische Sprüche, zugegeben):

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Auf jeden Fall entwickelte sich in den 1930er-Jahren eine neue Bademode. Wenn früher Frauen, die zu viel Haut zeigten, noch verhaftet wurden, war auf einmal eine gesunde Bräune angesagt. Der Zweiteiler (das Wort Bikini gab es damals noch lange nicht) kam in Mode. 

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Zumindest in Nazideutschland blieb das nicht lange so. Ein neues Gesetz, das explizit regelte, wie man sich zum Baden anzuziehen hat, sorgte dafür. Ja, die Nazis hatten offenbar wirklich nichts besseres zu tun. Darin stand zum Beispiel:

 «Frauen dürfen öffentlich nur baden, falls sie einen Badeanzug tragen, der Brust und Leib an der Vorderseite des Oberkörpers vollständig bedeckt, unter den Armen fest anliegt sowie mit angeschnittenen Beinen und einem Zwickel versehen ist. Der Rückenausschnitt des Badeanzugs darf nicht über das untere Ende der Schulterblätter hinausgehen.» 

Schicker Strick

Anderswo ging die Prüderie nicht ganz so weit. Zum Beispiel in der Schweiz. Hier feierte damals Hanro, eine Textilfirma aus Liestal, grosse Erfolge mit ihrer Bademode. Inspiriert waren die Strick-Badekleider von den Stränden in Nizza und Saint-Tropez. Ziemlich viel Glamour fürs Baselbiet, oder?

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Auf alle Fälle trafen die neuen Stücke den Zahn der Zeit, denn in den 30er-Jahren setzte hier ein regelrechter Badi-Boom ein. Ein Schwimmbad nach dem anderen wurde gebaut. Und da wollte man doch eine Falle machen.

© Museum.BL

Dieser Bademode widmet das Museum.BL in Liestal nun eine Sonderausstellung. «Badenixen und Strandburschen» heisst sie und ist den ganzen Sommer über zu sehen. 

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© Museum.BL

Damit nicht genug: Passend zur Ausstellung und in Anlehnung an die Muster und Stoffe von damals hat die Designerin Nathalie Schweizer eine Retro-Kollektion von Badekleidern und Bikinis entworfen. Und sie sieht ziemlich gut aus.

© Nathalie Schweizer

Wir sind gespannt, ob wir die 30er-Jahr-Bikinis mit der hüfthohen Hose dieses Jahr in den Schweizer Badis zu sehen bekommen. 

«Badenixen und Strandburschen», im Museum.BL in Liestal. vom 7. Juni bis zum 13. Oktober.

www.museum.bl.ch

PS: Hier noch etwas Oldschool-Cool: Eine Bademoden-Modenschau in Frankreich, 1948.

Von Matthias Gräub, veröffentlicht am 12/07/2019

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