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Studie bestätigt Berufsklischees: Mädchen werden Krankenschwestern, Jungs Informatiker

So dauert das noch mit der Gleichstellung.

Lohngleichheit, Gleichstellung, mehr Frauen in Männerberufen und umgekehrt: Die Forderungen schallen derzeit durch das ganze Land. Und Optimistinnen und Optimisten sagen sich, es sei doch nur noch eine Frage der Zeit, bis wir endlich Gleichberechtigung haben in der Schweiz. Die alte Generation sei es, die den Fortschritt mit ihren verkalkten Denkmustern aufhielten. Die junge, politische, engagierte Generation richte das dann schon.

Und dann diese Umfrage.

Die gfs.bern hat im Auftrag des Bundes ein sogenanntes Nahtstellenbarometer erstellt. Komplizierter Name – einfach erklärt: Eine Umfrage bei Unternehmen sowie bei rund 7000 Jugendlichen im Alter von 14 bis 16 Jahren. Jugendliche, die gerade eine Lehrstelle suchen oder schon gefunden haben oder sich gerade für eine weiterführende Schule entscheiden. Sie wurden unter anderem gefragt, welche Berufswünsche sie denn haben. Dabei sind ein paar interessante Ergebnisse herausgekommen – und sie zeigen riesige Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

So wollen zum Beispiel deutlich mehr Mädchen eine Matura machen. Jungs entscheiden sich eher für eine Lehre.

Interessant sind auch die Unterschiede nach Sprachregionen. Die Berufslehre ist offenbar etwas typisch deutschschweizerisches. Jugendliche aus der Romandie und der italienischsprachigen Schweiz haben viel weniger Lust auf eine Lehre.

Wird es etwas konkreter, tun sich noch grössere Lücken auf, und zwar zwischen den Geschlechtern. Auf die Frage «Für welche Berufslehren interessierst du dich konkret?» antworteten die meisten Jugendlichen (rund 20 Prozent) mit der Standard-Antwort: KV.

Darunter waren allerdings mehr als doppelt so viele Mädchen als Jungen. Krasser sieht es bei den Pflegeberufen aus. 2 Prozent der männlichen Jugendlichen interessieren sich dafür, Fachmann Gesundheit zu werden, bei den weiblichen Jugendlichen sind ganze 18 Prozent an einer Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit interessiert. 

In der Betreuung ist der Unterschied grad so krass: jede zehnte Schulabgängerin interessiert sich für den Beruf, während bei den Jungs nur jeder Hundertste daran interessiert ist. Und der Trend zeigt sogar noch deutlicher in die Richtung: «Fachfrau Betreuung» ist bei den jungen Frauen dieses Jahr zum ersten Mal in die Top-3 der beliebtesten Berufe gerutscht.

Andersrum ist es – wie klischeehaft! – bei den Informatikern. Mehr als zehnmal so viele Jungs als Mädels interessieren sich dafür. Für den Polymech oder den Elektroinstallateur interessieren sich überhaupt keine Mädchen. 

Berufe, die von jungen Frauen und Männern gleichermassen beliebt sind, finden sich nur wenige. Neben dem KV ist es am ehesten der Detailhandel, der beide Geschlechter anzieht.

Wer also damit rechnet, in allen Berufen bald gleich viele Frauen wie Männer zu finden, muss sich wohl noch etwas gedulden. Die nächste Generation an Schulabgängern hat die typischen Rollenbilder offensichtlich noch stark verinnerlicht. Wir hoffen aber immer noch auf mehr Informatikerinnen und Krankenpfleger.

Von Matthias Gräub, veröffentlicht am 14/06/2019

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