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In Lausanne fordern Frauen kostenlose Binden und Tampons in den Schulen

Denn die Periode tut nicht nur dem Bauch, dem Rücken und dem Kopf, sondern auch dem Geldbeutel weh.

Die feministische Welle, die wir seit einigen Monaten erleben, scheint einen klaren Beweis zu offenbaren, den manche gern ignorierten: Frauen haben ihre Periode. Es ist ein unvermeidlicher biologischer Prozess, der in der Regel in der Pubertät beginnt und etwa vierzig Jahre später, um die Wechseljahre herum endet. Lange war sie ein Tabuthema, heute traut sich die Gesellschaft endlich, darüber zu reden. Ja, die Periode ist rotes Blut (und nicht blaue Flüssigkeit wie in der Werbung), sie tut oft weh und vor allem ist sie teuer. Laut dem Dokumentarfilm «28 jours», der auf YouTube verfügbar ist, würde die Menstruation einer Frau im Laufe ihres Lebens etwa CHF 6500 kosten. Tausende Franken, die für ein Naturereignis ausgegeben werden, dem Frauen nicht entkommen können, ist zu viel für den jungen Verein Rowenna aus Lausanne. Dieser hat gerade eine Petition für kostenlosen Hygieneschutz in Schulen und Turnhallen der Waadtländer Landeshauptstadt gestartet:

«Wir wollen der prekären Menstruationssituation in der Schweiz ein Ende setzen, weil es sich um eine Ungleichheit handelt, von der die Hälfte der Bevölkerung betroffen ist. Wir wollen die toxischen Überzeugungen, die schon viel zu lange verankert sind, bekämpfen und jeder Bedürftigen Zugang zu den Notwendigen Mitteln verschaffen.»

Das Prekäre an der Periode ist, dass sich eine Frau manchmal entscheiden muss, ob sie essen will oder sich lieber Hygieneprodukte für ihre Tage kauft oder dass es Frauen im Gefängnis gibt, die Plastikflaschen als Menstruationsbecher benutzen. In der Schweiz und anderswo in Europa werden Hygieneprodukte immer noch nicht von der Krankenkasse erstattet. Schlimmer noch: Sie gelten nicht als lebenswichtige Waren und werden mit einer Mehrwertsteuer von 8% besteuert, wie auch Alkohol und Luxusprodukte. Die hygienischen Schutzmassnahmen sind Teil dieser Produkte der «Rosa Steuer», welche die Frauen in der Schweiz bis zu hundert Franken pro Monat zahlen lässt.

Bevor das Projekt auf kantonaler oder sogar bundesweiter Ebene weitergeführt wird, um etwas zu verändern, richtet sich der Verein Rowenna zunächst an Schulen, um Schülerinnen und Gymnasien auf diese Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen:

«Die Bereitstellung in Bildungseinrichtungen ist in erster Linie eine Möglichkeit, die Tatsache zu unterstreichen, dass Veränderung mit Bildung beginnen muss, und daran zu erinnern, dass die Welt von morgen von den jungen Menschen heute aufgebaut wird.»

Bis jetzt hat die Petition schon über 2.500 Unterschriften gesammelt. Die Mitglieder des Vereins Rowenna stehen auch in Kontakt mit den politischen Behörden der Stadt. Dank ihrer Arbeit könnte Lausanne bald Kanada folgen, das gerade kostenlose Hygieneprodukte in Schulen in British Columbia eingeführt hat.

Von Régine Bucher, veröffentlicht am 10/06/2019

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