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Im Tessin gibt's Ferienhäuser für einen Franken zu kaufen

Der Haken: Ihr müsst sie erst wieder aufpolieren.

Die Geschichte von Indemini ist eigentlich eine traurige Geschichte. Das Tessiner Dörfchen stirbt. Ein Blick auf seine Webseite stimmt nachdenklich. Der letzte Eintrag ist von 2007 und beinhaltet:

«Wir können das Offensichtliche nicht verstecken: Die urbanen Zentren sind und werden immer mehr zu Anziehungspunkten der Bevölkerung aus den Randgebieten die auf der Suche nach einem bequemeren Leben sind. Infolge der Abwanderung in den Gemeinden nimmt das Leben Schritt für Schritt ab und bleibt letztendlich ohne Inhalt.»

Wow! Dicke Post. 

So verwundert es auch nicht, dass es Indemini als Gemeinde kurz darauf nicht mehr gab. Via Grossfusion mit mehreren anderen sterbenden Dörfchen schloss sich Indemini der Gemeinde Gambarogno an.

Doch Indemini stirbt weiter. Die prächtigen Trockensteinhäuschen stehen leer und zerfallen allmählich. Wer die dreieinhalb Zug- und Busstunden ins Kaff an der Italienischen Grenze nicht auf sich nehmen will, sieht einen guten Teil des Dorfcharmes auch auf Google Street View.

Ein echtes Schnäppchen. Oder?

Damit Indemini nicht ganz stirbt, hat die Gemeinde Gambarogno jetzt 9 der Steinhäuser zum Verkauf ausgeschrieben. Zum Ausverkauf. Denn verlangen tun sie den symbolischen Betrag von einem Franken. 

Die Häuschen befinden sich im Gebiet Monti di Sciaga, einem Weiler am Hang, weit ausserhalb des Dorfkerns und drei Kilometer vom nächsten Bushalt entfernt. Dort ist es also noch kaffiger als im Kaff selber. Perfekt für eine Auszeit, oder?

Wer jetzt aber aufspringt und die Fünfräppler im Portemonnaie zählt, sollte vorerst innehalten. Die Sache hat nämlich einen Haken. Wer die Häuschen kauft, muss sich auch verpflichten, sie wieder auf Vordermann zu bringen. Und das wird dann eher teuer, wie ein Bild aus der offiziellen Ausschreibung andeutet.

© Commune di Gambarogno

Bis Ende Sommer, schreibt die Gemeinde, sollen sich Interessierte melden, dann soll ein Fazit gezogen werden. Finden sich genügend zahlkräftige oder handwerklich begabte Renovierwillige, könnten die Trockenstein-Rustici von Indemini bald zu neuem Leben erwachen. Und damit auch das Dorf selber.

Von Matthias Gräub, veröffentlicht am 15/08/2019

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