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Grosser Frauenstreik am Freitag – so können sich Männer solidarisch zeigen

Einfach bitte im Hintergrund bleiben.

Am Freitag ist Frauenstreik! Und in allen grösseren Schweizer Städten (und hoffentlich auch auf dem Land) hören Frauen um rund halb vier auf zu arbeiten. Wieso gerade dann? Das steht für die Lohnungleichheit. Um halb vier hat der Durchschnittsmann im gleichen Job so viel verdient wie die Durchschnittsfrau an Feierabend.

Dann geht's auf die Strasse. Märsche sind schweizweit geplant. Wo und was steht zum Beispiel hier.

Angesprochen sind logischerweise die Frauen. Doch auch viele Männer möchten sich mit den streikenden Frauen solidarisch zeigen und etwas dazu beitragen, dass die Gleichstellung in der Schweiz ein bisschen näherrückt. Doch vielfach schien unklar: Sind Männer nun eingeladen, mitzustreiken? Oder eher nicht? Wie können sie sich solidarisch zeigen? Oder sollten sie sich eher ganz aus der Sache raushalten?

Nicht vordrängeln, nicht kommandieren!

Wir haben deshalb den diversen Streik-Koordinationsgruppen per Mail genau diese Fragen gestellt. Die Antworten fallen fast alle ähnlich aus: Männer dürfen und sollen mitmachen, sich solidarisieren mit den Frauen und zeigen, dass es auch ihnen ernst ist mit der Gleichstellung.

Im Namen des jurassischen Komitees schreibt zum Beispiel Danielle Siegfried:

«Männer müssen sogar mitmachen! Nur zusammen kommen wir voran! Männer sollen mithelfen und an den Aktionen teilnehmen. Sie sollen aber auch mit den Menschen in ihrem Umfeld über das Thema reden. Mit ihren Kolleginnen und Kollegen, mit der Briefträgerin oder dem Briefträger, mit der Pflegerin, dem Pfleger. Und sie können einen Badge oder violette Kleider tragen.»

Auch im Kanton Schwyz dürfen Männer mitmachen, schreibt die Medienverantwortliche der dortigen Koordinationsgruppe, Claudia Hiestand:

«Solidarische Männer sind bei uns sehr willkommen. Wir wünschen uns von ihnen, dass sie ihren Partnerinnen, Ehefrauen, Freundinnen, Nachbarinnen, Schwägerinnen, Cousinen, Mitarbeiterinnen etc. ermöglichen, streiken zu gehen, indem sie Betreuungsarbeit zu Hause oder Arbeit im Büro übernehmen.»

Ähnlich aber mit Einschränkung, tönt es bei Julian Rodriguez, der die Gruppe der solidarischen Männer in Biel organisiert:

«Sie dürfen und sollen sich sogar solidarisch zeigen. Wichtig ist einfach, dass man sich nicht in der Vordergrund drängt. Sprich: Die Frauen laufen vorne am Umzug, nicht unbedingt das Wort ergreifen, nicht Leute rumkommandieren. Etwas Zurückhaltung ist angebracht, was jedoch leider viele Männer nicht so gut können.» 

In Biel läuft offensichtlich auch schon eine ganze Menge über die solidarischen Männer. Rodriguez erzählt:

«Die Frauen in Biel haben sich gewünscht, dass Männer Aufgaben übernehmen, die sie eben gerade an diesem Tag nicht selber machen möchten: Kochen, Kinder hüten, Putzen. Das werden wir auch machen, da haben sich sehr schnell sehr viele Männer gemeldet. Es gibt aber auch anderes, was man tun kann: am Arbeitsplatz vielleicht die Schicht einer Arbeitskollegin übernehmen, damit sie streiken kann oder wenn man Kinder hat sich um diese kümmern, kochen, ...»

Solche Männergruppen haben sich übrigens vielerorts organisiert. Zum Aufbauen und Abbauen von Infrastruktur, gerne aber auch als Hütedienst für Kinder, deren Mütter streiken wollen.

So auch in Zürich. Als Orientierungshilfe hat das dortige Komitee ein PDF zusammengestellt. Der Titel: Was tun als Mann?

Schön ist das Post-Skriptum auf dem PDF:

«PS: Wir Frauen* sind am 14. Juni damit beschäftigt, zu streiken, zu demonstrieren, uns die Strasse zu nehmen und unseren Forderungen lautstark und kämpferisch Ausdruck zu verleihen. Wir haben weder Lust noch Zeit auf euch Männer* aufzupassen und vertrauen darauf, dass ihr euch die hier formulierten Ratschläge zu Herzen nehmt.»

Anders als bei den solidarischen Männern in Biel wird Männern in Zürich allerdings nicht dazu geraten, den streikenden Frauen im Büro auszuhelfen. Im Gegenteil: Liegengelassene Arbeit soll auch wirklich liegen gelassen werden:

«Nicht die Rolle eines Streikbrechers einzunehmen und dadurch die Rolle der Frauen unbedeutend oder unsichtbar machen. Das bedeutet, die sonst von den nun streikenden Frauen* verrichtete Lohnarbeit ist NICHT zu kompensieren!»

Genug über Männer geredet!

Etwas weniger willkommen fühlt sich der Journalist nach der Anfrage im Wallis. Anne Darbellay vom Frauenkollektiv des Kantons Wallis mag sich nicht mit der Männerfrage auseinandersetzen:

«Die Männerfrage wurde in der Schweizer Presse schon lang und breit debattiert. Wir bitten Sie, dort darüber nachzulesen, weil das, was uns heute beschäftigt ist der Platz der Frauen in unserer Gesellschaft.»

Und auch von Seiten des Kollektivs von Uni und ETH Lausanne werden wir darauf aufmerksam gemacht, dass unsere Frage ... nun ja ... ganz offensichtlich ... nervt.

«An der Uni Lausanne sind die Männer willkommen und schon seit langem mit dabei. Dennoch schlage ich vor, dass Sie den Inhalt unserer Forderungen behandeln und nicht die Form, in der die Vorführung erfolgen wird. Wir haben seit Anfang des Jahres in den Medien mehr über Männer gesprochen als über Geschlechterdiskriminierung.»

Die Kernaussage, wenn wir sie richtig verstanden haben, ist immer die selbe. Mal deutlicher ausgesprochen, mal weniger deutlich. Das PDF des Zürcher Komitees bringt es am ehesten auf den Punkt:

«Sich am 14. Juni solidarisch zeigen heisst: Sich auf unterstützende Aktivitäten zu beschränken und nicht im Mittelpunkt des Geschehens zu stehen – der 14. Juni ist ein Tag der Mobilisierung von Frauen*, «Mann» hält sich im Hintergrund.»

Von Matthias Gräub, veröffentlicht am 13/06/2019

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