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Alles für die Klicks? Insta-Influencerin erfindet ihren eigenen Stalker

Das Schweizer Instagram-Sternchen Antonella Patitucci ist als Opfer von Cyberstalking offline gegangen. Brisant: Den Stalker gibt's gar nicht.

Sie hat mehr als 50'000 Abonnenten auf Instagram, räkelt sich gerne mit allerhand gesponserten Produkten auf dem frisch gepützelten Bett und bezeichnet sich selbst als Schauspielerin und Comedian. Antonella Patitucci lebt den flüchtigen Instagram-Traum einer Influencerin.

Beziehungsweise: Sie lebte ihn. Denn Antonella ist offline. In ihrem vorläufig letzten Instagram-Beitrag verkündet sie, bis auf weiteres keine Posts mehr ins Netz zu stellen. Der Grund: Ein Stalker verfolge sie auf Schritt und Tritt. So sehr, dass sie sich bedroht fühle und sich nicht mehr aus dem Haus traue.

«Liebe Leute, In den letzten Tagen hab ich leider zu spüren bekommen, dass es hier draussen wirklich kranke Menschen gibt. Es begann alles mit harmlosen Hass-Kommentaren und Fake-Profilen. Aber nun ist es soweit gekommen, dass ich einen zwielichtigen Brief bekomme habe der mir klar machen soll, dass ich auch im realen Leben verfolgt werde. Für mich heisst es jetzt zu prüfen wie ich rechtlich gegen diese Personen vorgehen kann. Ausserdem hab ich mich entschieden offline zu gehen... ich weiss nicht für wie lang aber fürs Erste hab ich genug von allem.»

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Liebe Leute, In den letzten Tagen hab ich leider zu spüren bekommen, dass es hier draussen wirklich kranke Menschen gibt. Es begann alles mit harmlosen Hass-Kommentaren und Fake-Profilen. Aber nun ist es soweit gekommen, dass ich einen zwielichtigen Brief bekomme habe der mir klarmachen soll, dass ich auch noch im realen Leben verfolgt werde. Für mich heisst es jetzt zu prüfen wie ich rechtlich gegen diese Personen vorgehen kann. Außerdem hab ich mich entschieden offline zu gehen... ich weiss nicht für wie lang aber fürs Erste hab ich genug von allem. Natürlich hab ich Angst, aber die ganze Situation hat mir auch die Augen geöffnet. Ich rate jedem vorsichtig zu sein mit wem ihr kommuniziert und Informationen austauscht. Ich hoffe auf euer Verständnis für meine Auszeit! Danke für den ganzen Support! ❤️ liebe euch!!! Eure Antonella

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Ein Coup von Kunststudenten

Das klingt alles dramatisch. Wäre es auch, wäre die ganze Geschichte nicht erfunden. Ja, Antonella hat ihren Stalker erfunden. Hinter dem Ganzen steckt eine Kampagne mit dem Namen Netzschatten. Die Macher dahinter: Studentinnen und Studenten der Zürcher Hochschule der Künste. Die schreiben auf der Kampagnen-Website:

«In unserer Bachelor-Vertiefung Cast / Audiovisual Media an der Zürcher Hochschule der Künste ist die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Storytelling Formaten eines der Kernelemente unserer Ausbildung.»

Für ein Schülerprojekt hat die Influencerin also ihre zigtausend Follower einfach mal verarscht. Klar. Stalking im Internet ist ein ernstzunehmendes Problem. Das Anliegen der Hochschul-Studierenden durchaus gut gemeint; sie haben den PR-Stunt denn auch gleich mit einer Petition verwoben, hinter der neben der Influencerin Patitucci auch die Nationalrätinnen Doris Fiala und Yvonne Ferri stehen. Aber ist es wirklich produktiv, einen Stalker zu erfinden, seine Fans zu verängstigen und die Medien für seine Zwecke hinters Licht zu führen?

Für Antonella dürfte die Rechnung aufgehen: Die Aufmerksamkeit ist ihr nun gewiss. Und ihren Influencerinnen-Lifestyle wird sie bestimmt bald wieder aufnehmen. Ob der Shitstorm, der nun auf ihrem Instagram-Account auf sie zurollt, viel angenehmer ist als ihr fiktiver Stalker, sei hingegen einmal dahingestellt. Ihn zumindest hat sie sich selbst eingebrockt. 

Von Matthias Gräub, veröffentlicht am 19/12/2018

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