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Fimo heisst Kacke: Wissenschaftler versauen Bastelfreunden den Appetit

Wer als Kind mit Knetmasse gebastelt hat, wird jetzt den Mund verziehen. Wissenschaftler haben nämlich ein brandneues Wort für Kot-Experimente: «in fimo».

Ob vor Weihnachten, zum Vatertag oder vor Grosis Geburtstag: Wenn Mama mit der Bastelkiste antanzte, war Fimo nie weit. Die Klotzförmige Modelliermasse hat uns durch unsere Bastelkindheit begleitet wie das Laubsägeli und die Neocolor-Stifte. Die steinbeinharte Masse mussten wir erst minutenlang weichprügeln, bis wir damit etwas anfangen konnten. Dann gabs Knet-Tierchen, die kaum als solche erkennbar waren. Oder Chrälleli. Loch reinstechen und ab in den Ofen. Dann auf einen Stärnlifaden aufziehen (der reisst nie) – und fertig ist die Halskette für Tante Vreni. 

Fimo gibt's heute auch in soft. Das ist nur noch hart, nicht mehr titanstahlhart. Bild: Fabuio/Wikimedia.org

So. Sind genug Kindheitserinnerungen geweckt? Dann können wir sie ja jetzt wieder versauen. Besser gesagt: Wir lassen das die Wissenschaftlerin Aadra Bhatt tun. Sie ist Assistenzprofessorin an der Universität von North Carolina. Und sie hat nichts mit Knetfigürchen am Hut, dafür ganz viel mit Exkrementen. 

Eine echte Kack-Aufgabe

Bhatt ist Assistenzprofessorin in Medizin und spezialisiert auf Gastroenterologie. Sprich: Alles, was mit dem Darm zu tun hat. Und während dem Forschen stand sie irgendwann vor einem regelrechten Scheissproblem. Es gibt kein passendes Wort für Bakterien, die in Kot wachsen. Zum Vergleich: Es gibt die Begriffe «in vivo» für Dinge, die sich in Lebewesen tummeln und «in vitro» für alles, was in Labor-Teströhrchen wächst. Nur Zeug, das in Exkrementen gedeiht hatte bisher keinen eigenen Namen. Und das störte die Forscherin.

Also machte sie sich mit ihrem Team auf die Suche nach einem guten Namen und tauchte tief ins Lateinbüchlein ein, um die passende Übersetzung für den Gagg zu finden. «Merda» war ein Kandidat. Aber das war ihr zu nah an modernen Fäkalwörtern (auf Italienisch heissts noch immer so, auf französisch kennen wir «merde», auch als Schimpfwort). «Laetus» klang ihr zu freundlich, weil es nicht nur «Kot» bedeutet, sondern auch «fruchtbar» oder «heiter». Und «Stercus» war ihr zu Obszön (!), weil daraus das englische Wort «Scatology» entstand – die krankhafte Vorliebe für Exkremente.

Dann kam sie auf «Fimus». Und war begeistert.

«Es ist technisch akkurat und hat einen literarischen Klang, also haben wir das Wort ‹in fimo› ausgewählt, um experimentelle Untersuchungen von Kot zu bezeichnen.»

Neben «in vivo» und «in vitro» gibt es nun also auch «in fimo». Das dürfte alle Darmforscher freuen, die nun endlich ein Wort für ihre Experimente haben. Uns hingegen hat es gehörig den Appetit verdorben. Oder zumindest die Lust, Tante Vreni dieses Jahr eine neue Chrälleli-Halskette mit Fimo zu modellieren.

Die Deutsche Firma Staedtler, der die Marke Fimo gehört, dürfte sich über den neuen wissenschaftlichen Durchbruch ärgern – wenn sie je davon erfährt. Zur Entwarnung sei aber gesagt: Der Name der Knetmasse ist nur zufällig so nah am Gagg. Im Fall von Staedtler setzt er sich aus den beiden Wörtern Fifi und Modelliermasse zusammen. Fifi war der Spitzname von Sophie Kruse, die Fimo 1939 erfunden hat.

 

Von Matthias Gräub, veröffentlicht am 10/01/2019