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Die Gelbwesten sind in Bern angekommen (ämel ein paar von ihnen)

In Frankreich gehen tausende Menschen mit gelben Westen auf die Strassen. Auf dem Bundesplatz waren es am Samstag nicht ganz so viele.

Ein grosser Aufmarsch war es nicht am Samstagnachmittag vor dem Bundeshaus. Vielleicht zwei Dutzend Männer und Frauen (und ein Hund) in gelben Sicherheitswesten haben sich vor dem Bundeshaus in Bern versammelt, um den Schwung ihrer französischen Pendants mitzunehmen und ihre Solidarität mit ihnen zu bekunden – und gleichzeitig aufzuzeigen, dass ihnen auch nicht ganz alles passt, was in der Schweizer Politik läuft.

© Konbini

Nebenan tanzen ein paar Schlittschuhläufer durch das Schneegestöber in der Hauptstadt, davor stehen die Gilets Jaunes im Pflotsch und reden angeregt und gut gelaunt mit der Presse und mit interessierten Passanten. Fast alle von ihnen reden französisch; die Parolen, die sie auf ihren Transparenten und am Rücken ihrer Westen tragen, sind auf französisch geschrieben.

«Wir wollen Kohle, während wir auf den Anarchismus warten.» - Bild: © Konbini

Einer steht mit einem Schild da, den Arm in der Schlinge, das Auge zugepflastert. Er macht damit auf die Polizeigewalt in Frankreich aufmerksam, der schon einige Demonstranten zum Opfer gefallen sind.

© Konbini

Es sei aber nicht nur ein Zeichen der Solidarität gegenüber der französischen Bevölkerung, sagt einer der wenigen Demonstranten, die deutsch sprechen. In der Schweiz gebe es – wenn auch in anderem Ausmass – die gleichen Probleme wie in Frankreich. So werde die Unterschicht immer mehr zur Kasse gebeten und das eine Prozent der Ultrareichen streiche immer mehr Geld ein. Der Mann macht einen interessanten Vergleich:

«Wenn du einen Frosch in kochendes Wasser wirfst, springt er sofort wieder raus. Aber wenn du ihn in einen Topf kaltes Wasser steckst und es langsam erhitzt, dann merkt er gar nicht, dass er zu Tode gekocht wird.»

Der deutschsprachige Demonstrant hofft, dass die Aktion vor dem Bundeshaus nur der Anfang einer Schweizer Bewegung nach französischem Vorbild ist. Und er hofft, dass er bald nicht mehr in der Sprachminderheit ist. Wieso auf dem Bundesplatz fast nur Romands waren, ist für ihn klar. Die Gruppierung hat ausschliesslich auf Facebook Werbung für die Kundgebung gemacht − und zwar nur auf französisch.

Von Matthias Gräub, veröffentlicht am 05/01/2019

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