Die ETH macht ein Rap-Video - und der Shitstorm ist riesig

Ausgerechnet mit Hip-Hop wirbt die ETH Zürich fürs Master-Studium. Dass das im Internet nicht nur für Begeisterung sorgt, war klar. 

«Where the real Masters are made» - das ist die Message eines neuen Videoclips, das die ETH Zürich veröffentlicht hat. Darauf rappen drei Studierende der wohl seriösesten Hochschule der Schweiz über Quantenmechanik, Genmodifizierung und Nanopartikelstrukturen. Es ist ein Werbevideo der ETH und soll für die verschiedenen Master-Studiengänge werben. 

«Wir wollten ein Video, das auffällt, unterhält und dennoch viele Inhalte vermittelt. Mit dem Clip wollen wir Studierende für die ETH begeistern, die hervorragende Noten mitbringen, aber auch selbständig denken und kritisch reflektieren können. Dazu gehört auch, dass man über sich selber lachen kann.»

Was der ETH-Kommunikationsleiter Rainer Borer sich wünscht, dürfte zumindest teilweise in Erfüllung gehen: Auffallen tut das Video definitiv. Und gelacht wurde darüber auch. Mehr als genug.

Der Fremdschäm-Faktor ist beträchtlich

Die Reaktionen auf das Video liessen nicht lange auf sich warten. Unter dem Youtube-Video äussern sich viele, die sich als ETH-Studierende zu erkennen geben. Die Kommentare sind zuweilen niederschmetternd - und äusserst unterhaltsam:

«Peinlich peinlich, kann man seinen Master auf die EPFL umschreiben lassen?»
 
«Holy shit ist das cringy xD Man merkt, es ist eine TECHNISCHE Hochschule... nicht nur, dass n Rap-Advert so 90s ist, dass mein Flatscreen zum Röhrenfernseher wird, von Musik haben die wirklich garkeine Ahnung. Au weia.»

Oder auch auf Englisch:

«It's highly recommended to know a bit of german when studying at ETHZ. So here's your first german word: Fremdschämen - Meaning to feel ashamed of someone elses actions.»

Einverstanden, die Qualität des Songtextes lässt zu wünschen übrig, die Studierenden klingen (bis auf den Haupt-Rapper) auch nicht grad so, als hätten sie schon einmal etwas von Hip-Hop gehört, aber irgendwie ist diese Peinlich-Aktion der ETH doch auch liebenswürdig. Und mit Bestimmtheit mutiger als manch andere seriöse Uni sich je trauen würde. Kommunikations-Chef Borer hat jedenfalls rasch auf den ganzen Internet-Hass reagiert:

«Wir waren uns bewusst, dass der Masterclip polarisieren wird. Das Ausmass der Reaktionen und insbesondere die Emotionalität haben uns aber überrascht.»

Damit muss die ETH nun wohl leben. Und auch wenn der Grossteil des Videos ziemlich uncool ist, ist mindestens ein «Chapeau» an die Rektorin zu verleihen, die sich nicht zu schade war, im Clip mitzumachen und die Rapper auf ihrem Schreibtisch herumtanzen liess. Und der Roboter-Hund ist halt auch recht cool.

 
 
 

Von Matthias Gräub, veröffentlicht am 29/11/2018