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Banksy oder kein Banksy? Was wir über das Graffiti, das heute morgen in Zürich aufgetaucht ist, wissen.

Das an der Mauer der Photobastei vor einigen Stunden entdeckte Kunstwerk könnte von Banksy stammen.

© Photobastei

Der berühmte und weltweit geschätzte Künstler (oder das Kollektiv hinter dem Namen) könnte wieder zugeschlagen haben. Dieses Mal in Zürich, an einer Wand der Photobastei. Doch wie lässt sich nun feststellen, ob es sich um ein Original oder lediglich eine Imitation des berühmten Street-Art-Künstlers handelt? Wir gehen der Sache auf den Grund.

Ja: Banksys Werke kamen schon immer ohne Vorwarnung

Wie auch seine Identität hält Banksy seine Projekte bis zur Vollendung geheim und gibt weder bekannt woran, noch wo er als nächstes arbeiten wird. Das ist die übliche Vorgehensweise in der Street-Art-Szene, um sowohl der Polizei als auch den eifrigen Eigentümern zu entgehen, da die Werke in der Regel auf privatem Boden und illegal angebracht werden. Für Banksy, wie auch für alle anderen Künstler der Szene, hat sich daraus eine Art Schnitzeljagd entwickelt, die wie ein Katz und Maus-Spiel funktioniert. In einigen Fällen ist diese Geheimniskrämerei aber auch absolut notwendig, etwa wenn der Künstler seine Werke im Gazastreifen oder in Bethlehem aufsprayt, um die israelische Besatzung zu kritisieren.

Ja: Eine Kritik am System

In der Schweizer Finanzhauptstadt kommt dieser riesige in Fetzen hängende Dollarschein einer Kritik am Kapitalismus gleich. Darüber hinaus ist das Werk an der Wand der Photobastei angebracht, einem kulturellen Raum, in der heute eine Ausstellung beginnt, die sich der Strassenkunst und auch Banksy widmet.

Ja und nein: Die Kontroverse der Ausstellung

Diese Ausstellung ist mitunter etwas problematisch. Viele haben die Organisatoren kritisiert, die einen Eintritt von 12.- verlangen, um Werke der Street-Art zu bewundern, die eigentlich umsonst im Freien zu sehen wären. Romano Zerbini, der Direktor der Photobastei, erzählt uns seine Sicht der Dinge:

"Ist es ein echter Banksy? Wenn ich das wüsste... Wir wissen, dass die Banksy-Organisation keine Freude daran hatte, das wir ihn für eine Ausstellung vereinnahmen, die Eintritt kostet. Wenn es ein echter Banksy ist, sehen wir das auch als Kritik an uns."

Mal davon abgesehen, dass Banksy, der an die Wand eines Ausstellungsraumes malt, um diese zu kritisieren, damit auch sehr kontraproduktiv handelt, da dies nämlich nur noch mehr Aufmerksamkeit auf die Ausstellung lenkt... Das ist die Meinung des Zürcher Experten für Street-Art Julien Kolly:

"Es würde mich überraschen wenn Banksy so dumm wäre, denn ein Original zieht alle Aufmerksamkeit auf sich. Er verteidigt starke Anliegen, von den USA bis Palästina. Es ist mir nicht verständlich, warum er sich über die Tarifpolitik seiner Ausstellungen beschweren sollte."

Der Direktor der Photobastei versichert uns jedoch: Das Gerücht über die Ankunft von Banksy in Zürich komme nicht von ihnen.

"Das Gerücht, Banksy würde in der Photobastei vorbeischauen wurde uns gesteckt, von jemandem aus dem Kunstmarkt. Es sei nicht ausgeschlossen, dass er vorbeikäme. Die Banksy-Organisation habe diese Möglichkeit angekündigt. Ich versichere Ihnen aber, das ist kein PR-Stunt von unserer Seite."

Der Ausstellungsraum hat heute auch einen Experten um seine Meinung gebeten: Ihm zufolge (wir kennen seine Identität nicht) handle es sich in der Tat um ein Original...

Nein: Der Künstler wird überall kopiert

Banksy ist zu einer Quelle der Inspiration für eine Generation von Künstlern geworden, die auf seine Art und Weise an Gebäude sprayen und so durch ihn ein mächtiges künstlerisches Ausdrucksmittel fanden. Er wird überall nachgeahmt. Für Julien Kolly entspricht der Stil nicht dem jüngsten Werk des Künstlers. In seinen letzten Akten privilegierte er die Grautöne, mit jeweils drei Farben. Hier sind es nur zwei. Für den Experten wäre es damit keine gelungene Arbeit.

Nein: Banksy provoziert besser

Stellen wir uns ein anderes Szenario vor: Gleiche Arbeit, in Zürich, aber an den hundertjährigen Sitzen der großen Schweizer Banken am Paradeplatz. Die Banker, die Besitzer der Gebäude, stünden vor einem riesigen Dilemma. Entweder sie entfernen das Werk und investieren Millionen darin, indem sie einen Künstler verkaufen, der sie kritisiert, oder sie lassen es im Namen der Kunst und schaffen ein gigantisches Paradox. Eine solche Aktion, mit einer doppelten Botschaft zum Kapitalismus und zum Kunstmarkt, entspräche dann eher dem Künstler. Ein bisschen wie seine Attacke bei der Auktion.

Was stimmt nun?

Es gibt also drei Möglichkeiten. Entweder hat Banksy tatsächlich dieses Kunstwerk gemacht, das der Wand und der Ausstellung einen enormen Mehrwert verleihen würde. Oder dem Museum ist ein sehr guter PR-Coup gelungen. Oder ein anderer Künstler realisierte das Werk, um die Ausstellung und ihre Tarifpolitik zu kritisieren. Die Photobastei wird jedenfalls alles tun, um die Wand zu schützen, da es sich immerhin um ein Original handelt:

"Wir haben intern besprochen, was jetzt mit dem Wandbild passiert. Nun haben wir Panzerplastik bestellt. Die fassen das Bild jetzt damit ein, damit es nicht über Nacht übermalt wird und wir auch morgen noch die Chance haben, das anzuschauen."

Abschliessend lässt sich nur noch sagen, dass es nur eine Möglichkeit gibt, herauszufinden, ob es Banksy war oder nicht. Man muss nur seinen Instagram-Account unter die Lupe nehmen, wo er all seine Werke auflistet. Vorerst ist dieses Werk dort nicht zu sehen.

 

Von Antoine Multone, veröffentlicht am 10/01/2019

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