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Baden im Fluss: Auf unser freshestes Sommerhobby schaut das Ausland neidisch

Eine Ausstellung in Basel zeigt, wieso.

Das Basler Stimmvolk hat vor kurzem dem Ozeanium den Stecker gezogen, nein gesagt zum Bau eines neuen Aquariums. Wer in Basel trotzdem ein bisschen Unterwasserfeeling erleben will, sollte einen Abstecher ins Schweizerische Architekturmuseum machen. Klingt absurd? Lass uns erklären...

Die aktuelle Ausstellung im Architekturmuseum heisst Â«Swim City». Und sie behandelt das Flussschwimmen als Massenbewegung. Wer nun den Ausstellungsraum betritt, hört erstmal Blubbern und Wasserrauschen. Eine riesige Dreifachleinwand zeigt Bilder von vergnĂĽgten Pläuschlern, die grad einen Aareschwumm in Bern nehmen, kurz in die Limmat in ZĂĽrich hĂĽpfen oder sich im Basler Rhein und der Rhone in Genf treiben lassen. Wer durchspaziert, lässt den Kiesstrand unter den FĂĽssen knirschen.

Der clevere Bildschnitt lässt die Kamera immer wieder abtauchen. Dann sind ein paar SchwimmerfĂĽdli aus der Unterwasserperspektive zu sehen â€“ fast wie im Ozeanium, nur mit Menschenhaut statt Fischschuppen. Taucht die Kamera auf, sind wir ...schwupps... in einer anderen Schweizer Flussstadt.

Treiben lassen und bällelen. Hier in Genf. © Konbini

Eine Selbstverständlichkeit. Oder?

Schwimmen im Fluss, mitten in der Stadt – für viele von uns Schweizern ist das im Sommer Normalität. Dass das im Ausland oft ganz anders aussieht, ist uns dabei kaum bewusst. In vielen Grossstädten war Schwimmen bislang nur im Hallenbad möglich. Vielleicht gibt's irgendwo ein Freibad mit Tümpel, aber im Fluss? Undenkbar! Die Briten beispielsweise bewunderten den Berner Aareschwumm noch 2010 dermassen, dass sie ihm einen eigenen TV-Beitrag widmeten (sorry für die Bildqualität; 2010 hat man wohl noch mit Kartoffeln gefilmt...)

«Swim City» macht uns bewusst, wie viel Glück wir in der Schweiz haben, dass wir auch in Städten so sauberes Wasser haben. Die Ausstellung zeigt aber auch, dass das nicht immer so war. Und sie zeigt, dass sich auch im Rest der Welt etwas tut. Und hier kommt die Architektur ins Spiel (falls ihr euch gefragt habt, was das alles mit Architektur zu tun hat).

Beispiel Berlin: Die Spree lädt nicht grad zum Baden ein. Jetzt soll aber im Spreekanal mitten in der Stadt ein Badeparadies entstehen. Zwei Künstler und Architekten wollen mit Kies einen natürlichen Filter installieren, der das Wasser säubert. Dahinter soll es einen gut 800 Meter langen Schwimmbereich geben, der zum Freizeit-Hotspot von Berlin werden soll. Stehen soll das Ganze 2025.

© Konbini

Beispiel London: Vor nicht einmal zehn Jahren haben die Briten noch neidisch zu uns geschaut. Jetzt wollen sie selber die Themse badbar machen. Oder zumindest ein Flussbaden light anbieten. Ein Pool mit gefiltertem und geheiztem Flusswasser soll entstehen, mitten in der Themse und erreichbar über eine Fussgängerbrücke. Quasi ein Laufgitter für uns erfahrene Flussschwimmer, aber immerhin.

Beispiel Paris: Pünktlich zu den Olympischen Spielen 2024 soll die Seine ein Badefluss sein. Dafür gibt es ein ökologisch ambitioniertes Projekt: PET-Flaschen, die aus der Seine gefischt wurden, sollen ein schwimmendes Floss über Wasser halten und gleichzeitig zeigen, was die Pariserinnen und Pariser mit ihrem Fluss angestellt haben. Die Plattform soll Schwimmern ein Pausenplätzchen während des Flussschwumms bieten. Ausserdem soll darauf ein Hochsitz gebaut werden, damit ein Aufseher zum Rechten schauen kann.

© Konbini

Es tut sich also etwas in Europas Metropolen. Und wir, die Schweiz, schreibt das Museum ĂĽber das Flussschwimmen:

«Schweizer Städte  haben bei der Entwicklung dieser Aktivität in den letzten Jahrzehnten eine Vorreiterrolle gespielt, indem sie den Fluss schrittweise als natĂĽrlichen öffentlichen Raum in der gebauten Umwelt erschlossen haben. Der Fluss wurde so zum VergnĂĽgungsort direkt vor der HaustĂĽr.»

Dann mal ab ins VergnĂĽgen!

«Swim City» ist noch bis zum 29. September im Schweizerischen Architekturmuseum in Basel zu sehen.

Von Matthias Gräub, veröffentlicht am 13/06/2019

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