Blut in den Berner Lauben: Juso fordert Gratis-Tampons

Die Berner Juso hat am Dienstagabend mit einer Kunstblut-Aktion Aufsehen erregt. Am Donnerstag folgt eine Motion im Stadtrat.

Wer am Dienstagabend durch die Berner Altstadt spaziert ist, hat ungewohnte Szenen zu Gesicht bekommen. Junge Frauen verteilten zähflüssiges Blut auf der Rathaustreppe und unter den Lauben. Kein Wunder, schauten die Passanten komisch. 

Das Blut war zum Glück nicht echt, das Anliegen schon: Hinter der Aktion steckten die Berner Jungsozialist*innen. Sie wollen das Tabu um die Menstruation brechen, wie Gianna Fetz von der Juso erklärt.

«Wir wollen damit darauf hinweisen, wie viele Menschen jeden Monat bluten. Das ist eine Realität: Viele junge Frauen haben keinen barrierefreien Zugang zu Hygieneartikel.»

So lautet denn auch die Forderung: Gratis-Tampons und -Binden in allen öffentlichen Gebäuden der Stadt Bern. Und zwar nicht nur in den Damentoiletten, schliesslich gebe es auch Transmenschen, die menstruieren. Am Donnerstag wird Juso-Stadträtin Lisa Witzig genau das als Motion ins Parlament bringen. Ausserdem solle sich die Stadt, so die Forderung, dafür einsetzen, dies auch beim Kanton und beim Bund durchzusetzen.

Tampons als Luxus?

Ganz neu ist die Idee nicht: In Schottland und in der Stadt New York gibt es laut der Juso das System der Gratis-Hygieneartikel schon. In der Schweiz bislang nirgends. Dazu kommt: Binden und Tampons gelten hierzulande als Luxus-Artikel. Während auf «Güter des täglichen Bedarfs» wie Cola, Heftli oder Aspirin ein reduzierter Mehrwertsteuersatz gilt, laufen die Hygieneartikel in der gleichen Kategorie wie Autos, Schmuck und Uhren. Das findet nicht nur die Juso absurd...

«Hygieneartikel sind ebenso notwendig wie beispielsweise Toilettenpapier – daher sollten sie auch so behandelt werden und überall gratis zur Verfügung stehen.»

Der Vorstoss der Berner Juso am Donnerstag ist vorerst eine einzelne Aktion. Aber Gianna Fetz sagt:

«Wir würden es natürlich sehr begrüssen, wenn andere Juso-Sektionen das auch aufnehmen würden.»

Die Blut-Aktion am Dienstagabend hat jedenfalls für grosse Augen gesorgt und ihre Wirkung laut Fetz nicht verfehlt.

«Natürlich schaut man erst einmal komisch, wenn jemand Blut auf der Strasse verteilt. Aber negative Reaktionen gab es keine. Einige Passanten fanden die Aktion dann sogar lustig, als wir ihnen versicherten, dass das Blut nicht echt ist.»

Von Matthias Gräub, veröffentlicht am 14/11/2018