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In Berlin eröffnet die erste Ausstellung über LGBTQ in Videospielen

"Rainbow Arcade" ist eine sehr originelle Initiative, die sich ausschliesslich LGBTQ in Videospielen seit 1985 widmet.

© Rainbow Arcade

Videospiele sind ja bekanntlich von und vor allem für ein im Wesentlichen maskulines Publikum entstanden. Zwischen Lara Crofts überdimensionierten Brüsten oder den muskulösen Helden unserer Lieblings-Abenteuerspiele geht es bei den Spielen eher um eine Art "Virilismus"-Komplex als die Suche nach Identität und/oder sexueller und geschlechtsspezifischer Orientierung. Die neue Ausstellung "Rainbow Arcade", die gerade in Berlin im Schwulen Museum eröffnet wurde, könnte die Sicht der Spieler vielleicht für immer verändern, indem sie auf mehr oder weniger subtile Art und Weise zeigt, dass Fragen im Zusammenhang mit der LGBTQ-Community auch im Videospiel angegangen werden können.

Von Birdo, der 1988 von Nintendo im offiziellen Handbuch als Junge beschrieben wurde, der "denkt, er sei ein Mädchen" bis zur Gay Pride, die auf den World of Warcraft-Servern organisiert wurde, verpasst die Ausstellung seit 1985 kein Detail der Videospielgeschichte. Die Ausstellung ist dabei wie ein bunter Regenbogen organisiert, wo jede Farbe ein bestimmtes Thema darstellt.

Dr. Adrienne Shaw startete die Webseite LGTBQ Video Game Archive im Jahr 2016 als ersten Versuch, die queeren Inhalte in den Spielen zu katalogisieren. Sie erklärt, dass diese Dimension immer sehr unterschwellig war, es sie aber schon immer gegeben habe. So werden die neuen Spiele, welche "queer" erscheinen, oft auch heute noch als Bruch von der Norm, statt als Kontinuität einer Kultur, die historisch gesehen schon längst im Gaming teilnimmt, gesehen.

"Bis zu diesen Archiven gab es kein historisches Verständnis von LGBTQ-Inhalten in Videospielen. [...] Es ist sehr leicht zu vergessen, dass diese Art von Inhalten aber schon immer in den Spielen existiert hat."

Auch wenn einige Serien wie Grand Theft Auto oder sogar Mass Effect alle Arten von Beziehungen erlaubten, unabhängig vom Genre, sind es manchmal die Fans, die kamen, um diese Lücken zu füllen. So sammelte der Künstler Androponos Screenshots von Kommentaren aus den Foren zu Metal Gear Solid, die über die latente Homoerotik der Serie diskutierten. Diese Art von Fan-Theorie oder Fan-Fiktion gibt es häufig, erinnern wir uns nur an die Anspielungen auf Ken und Ryu von Street Fighter. Jan Schnorrenberg, offizieller Leiter der Ausstellung und Mitglied des Schwulen Museums, bewundert in diesem Zusammenhang besonders diese Wiederaneignung durch die Fans:

"Fans sind in der Lage, auch dort eine Darstellung zu finden, wo sie nicht öffentlich anerkannt wird oder wo Entwickler nicht über die Auswirkungen dessen, was sie getan haben, nachgedacht haben."

Diese Ausstellung ist aber auch dazu da, auf die virulenten Reaktionen zu sensibilisieren, welche LGBTQ in Videospielen auslösen kann. Der blaue Bereich der Regenbogen-Arkade beschreibt zum Beispiel verschiedene Beispiele von Diskriminierung und andere böse Reaktionen auf Charaktere oder Szenarien und queere Inhalte. Im Spiel, wie überall, hat Inklusivität auch ihre Kritiker: 2006 verweigerte World of Warcraft einem Spieler, der Bedenken über die Belästigung seiner Mitglieder hatte, die Gründung der ersten LGBT-Gilde. Blizzard hat letztendlich nachgegeben, weshalb in WoW jedes Jahr ein Gay Pride stattfindet.

Falls ihr also gerade in der deutschen Hauptstadt lebt oder eine Reise unternehmen möchtet ist die Ausstellung mit ihrer Fülle an Beiträgen auf jeden Fall einen Besuch wert. Erst recht wenn ihr euch für Videospiele und/oder die LGBTQ+-Community interessiert.

Rainbow Arcade: Queer Gaming History 1985-2018 ist im Schwulen Museum in Berlin noch bis 13. Mai 2019 zu sehen.

Von Pierre Bazin, veröffentlicht am 04/01/2019