In Japan hat eine künstliche Intelligenz für die Kommunalwahlen kandidiert

Ein schöner Kommunikation-Coup, der jedoch im Kern sehr ernst ist.

(© Twitter/@tama_ai_mayor)

Künstliche Intelligenzen sprießt auf der ganzen Welt nur so aus dem Boden (oder zumindest scheint es so). Dabei folgt ein seltsames Ereignis dem anderen. Zum Beispiel war da Sophia, die im vergangenen November saudi-arabische Nationalität erworben hat. Ein paar Monate zuvor heiratete ein chinesischer Mann einen Roboter, den er selbst erschaffen hatte. Darüberhinaus ist künstliche Intelligenz (AI) auch zum Kult einer neuen Religion geworden.

Und was ist mit Politik? Auch hier erlebte AI bereits ihren großen Auftritt! Wie uns Grapee.JP berichtet, hat bei den Kommunalwahlen von Tama, einem friedlichen Dorf (auf japanischer Ebene) von 150 000 Einwohnern in Zentral Japan, eine künstliche Intelligenz mit-kandidiert. Hinter der AI steckte jedoch, wie uns Mashable aufklärt, der 44-jährige Michihito Matsuda, der bei einer früheren Kommunalwahl verloren hatte.

Diese schöne politische Kampagne wurde von einen androgynen Android geführt. Etwas kitschig wurde die Kampagne allerdings beim Betrachten der Webseite und des Twitter-Accounts des Androiden, die beide jeweils in der ersten Person geschrieben wurden. Dort übertraf AI somit das Imaginäre und lässt den Leser unvermeidlich wie ein demütiger Diener fühlen, der durch sie an Informationen gelangt.

Die Kampagne ist jedoch auch durchaus ernst zu sehen, da sie auch eine ideologische Nachricht enthielt: Über die Algorithmen beabsichtigte Michihito Matsuda eine "unparteiische und ausgeglichene" Politik durch eine Sammlung von Daten durchzuführen. Dieser Traum ist jedoch sowohl verrückt als auch falsch, da wie wir wissen, AI voll und ganz aus einer algorithmischen Voreingenommenheit besteht und in dieser Welt nur Tatsachen wirklich objektiv sind. Bei den Wahlen am 15. April konnte Michihito Matsuda mit Hilfe seiner AI jedenfalls nicht gewinnen.

Von Pierre Schneidermann, veröffentlicht am 13/04/2018