Das MIT präsentiert einen akrobatischen und 'blinden' Roboter

Er heißt Cheetah 3 und funktioniert dank zweier innovativer Algorithmen.

Cheetah 3 wiegt etwa 40 kg und ist so groß wie ein Labrador. Wie viele andere agile Roboter seiner Art ist er ein wahrer Akrobat: Er kann laufen, rennen, springen und sein Gleichgewicht wiederfinden, wenn eine menschliche Hand ihn auf hinterhältige Weise destabilisiert.

Besonders beeindruckt Cheetah 3, weil er nicht "sieht": Seine am MIT als Forscher tätigen Designer haben ihn nämlich nicht mit Kameras ausgestattet. Cheetah 3 soll angeblich "fühlen", wird in der Pressemitteilung erklärt. Ingenieure nennen das "blinde Fortbewegung" ("blind locomotion").

Was ist nur der Grund für diese Entscheidung, einen ‚blinden’ Roboter zu kreieren? Sangbae Kim, ein außerordentlicher Professor der Ingenieurwissenschaften im Fachbereich Maschinenbau am MIT und Schöpfer von Cheetah 3 gibt uns die folgende Antwort:

"Die Sicht kann gestört, etwas ungenau und manchmal nicht verfügbar sein. Wenn ihr euch also zu sehr auf das ‚Sehvermögen‘ verlasst, könnte euer Roboter, der immer noch nach der genauen Position sucht, langsamer werden. Wir wollen Roboter, die taktile Informationen verwenden. So können wir mit unerwarteten Hindernissen umgehen, ohne dass der Roboter dadurch langsamer wird. "

Das entpuppt sich als entscheidender Vorteil, der es Cheetah 3 langfristig ermöglichen sollte, Orte zu besichtigen, die für Menschen zu gefährlich sind. Wir denken da zum Beispiel an Kraftwerke, unwegsames Gelände, usw.

Zwei Hauptalgorithmen, die für diese Gelegenheit entwickelt wurden, ermöglichen Cheetah 3 sein Leistungsniveau, und zwar ein Kontaktdetektionsalgorithmus sowie ein Steueralgorithmus mit einem Vorhersagemodell.

Der erste ermöglicht es dem Roboter, das perfekte Timing zu finden, um ein Bein zu heben oder aber auf den Boden zu stellen. Das funktioniert dank Informationen, die von in den Beinen angebrachten Gyroskopen, Beschleunigungssensoren und Positionssensoren gesammelt werden.

Der zweite berechnet die Bodenkraft, die jedes Bein aufweisen muss. Dieser Algorithmus wird als "vorhersagend" bezeichnet, da er sich mehrere mögliche Situationen vorstellt und jene auswählt, die dem Roboter das meiste Gleichgewicht verleihen wird.

Langfristig plant das Team, Cheetah 3 mit einer kleinen Kamera auszustatten, um ihn noch stärker und agiler zu machen. Aber sein erster Instinkt, so erklärt man es uns, wird die "blinde Fortbewegung" bleiben.

Von Pierre Schneidermann, veröffentlicht am 06/07/2018