Google möchte eine zensierte Version in China starten

Man könnte es als "realbusiness " bezeichnen.

(© Konbini)

Alarm beim amerikanischen Riesen. Unter den wenigen hundert Menschen, die von dem Projekt wussten, einer von Ihnen, der mit der Politik des Unternehmens nicht einverstanden war, übermittelte ein vertrauliches Dokument an die Zeitung The Intercept: Google wartet auf grünes Licht von den chinesischen Behörden für den Start einer zensierten Version im Land.

Zensiert meint hier: Schwarze Listen für bestimmte Webseiten, die sich auf Menschenrechte, Demokratie, Religion und friedlichen Protest beziehen. Kurz gesagt, alles, was die Partei nicht erfreut. Das Projekt mit dem nüchternen Titel  Dragonfly sei bereits seit vergangenem Frühjahr im Gange und sei im Dezember 2017 nach dem Treffen zwischen Sundar Pichai, CEO von Google, und Wang Huning, einem hochrangigen Führer der Kommunistischen Partei Chinas, einen großen Schritt voran gekommen.

Die Suchmaschine soll zunächst  von einer App auf Android und OS bei 80% der Smartphone-Nutzer installiert werden. Es ist noch nicht bekannt, ob eine von einem Browser zugängliche Version ebenso eingerichtet wird. Doch die Würfel sind noch nicht vollständig gefallen: Google muss erst die Genehmigung der chinesischen Behörden einholen und das Verfahren scheint durch die scharfen Handelsspannungen zwischen den beiden Ländern noch deutlich gebremst.

Google hatte bereits von 2006 bis 2010 eine zensierte Version seiner Suchmaschine in China gestartet. Angesichts der vielen Kritiker hatte das Unternehmen dann aber das Handtuch geworfen: Google.cn wurde beerdigt und die URL auf Google.com.HK umgeleitet, die Hong-Kong-Version in vereinfachtem Chinesisch.

Man kann, wie die Realpolitik Chinas, darin eine Art "Realbusiness" sehen: Der chinesische Markt ist immens – 750 Millionen Nutzer laut Intercept – und die Werbeeinnahmen, die von Google garniert werden könnten, wären immens. Vorausgesetzt natürlich, dass Google auch neben seinem chinesischen Konkurrenten Baidu einen respektablen Platz haben wird.

Die Entscheidung von Google könnte als Beispiel dienen und andere Unternehmen aus den USA dazu ermutigen, ebenso zensierte Dienste anzubieten: Noch sind Facebook, Instagram und Twitter verboten. Das "realbusiness " könnte also sehr real und flächendeckend werden.