Die Europäische Kommission versucht (immer noch), ein universelles Ladegerät durchzusetzen

Unzufrieden mit dem Fortgang des Dossiers hat sich die Europäische Kommission mit dem Fall des universellen Handy-Ladegerätes befasst und prüft nun Sanktionen.

Wenn man mit Höflichkeit scheitert, ist Zwang manchmal die einzige noch verbleibende Option: Nach Jahren in denen man die Einführung eines universellen Standards für Handy-Ladegeräte hat schleifen lassen, bereitet sich die Europäische Kommission auf den Kampf gegen die Hersteller vor, um die Dinge zu beschleunigen. Am 6. August gab die Agentur Reuters die Worte der EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager wieder, die am 1. August von einem Gesetzesgeber zum Fortgang der Verhandlungen befragt wurde: "Angesichts der unbefriedigenden Fortschritte im freiwilligen Ansatz wird die Kommission in Kürze eine Folgenabschätzung starten, um die Kosten und den Nutzen verschiedener Optionen zu bewerten." Im Klartext könnte dies somit bald das Ende des Hinauszögerns von Samsung, Apple und allen anderen bedeuten.

Die Verhandlungen zwischen den europäischen Regulierungsbehörden und den Herstellern haben nun nämlich schon fast zehn Jahre beansprucht. 2009 wurde bereits ein erstes Protokoll zur Einigung mit einer Reihe der größten Anbieter der Zeit unterzeichnet (Apple, Nokia, Sony Ericsson, Samsung, Texas Instrument, LG, NEC, Qualcomm, Motorola und RIM – China war damals kaum auf dem Markt aktiv). Dieses Protokoll sah für 2010die Einführung eines Micro-USB-Standards vor, obwohl mehr als 30 verschiedene Ladegeräte auf dem Markt nebeneinander existierten. Die Europäische Gendarmerietruppe wollte damals gegen die Verbreitung von proprietären Formaten kämpfen, die laut EU ein weitgehend vermeidbares Volumen von 51 000 Tonnen Abfall pro Jahr erzeugten. Ab dem Jahr 2010 wurden die ersten neuen Telefone angeboten, die fast alle diesen Standard anwendeten.

Ein Ladegerät für alle (außer Apple)

Auch wenn das Protokoll auf eine totale Harmonisierung der Smartphones ab dem Jahr 2011 abzielte, leisteten einige Anbieter dennoch Widerstand. Nach dem Auslaufen des Protokolls zeigten dann aber 2012 doch einige Anbieter Kompromissbereitschaft, indem sie 2013 und 2014 Absichtserklärungen vorstellten, die  in die Richtung eines universellen Ladegeräts liefen.

In der Tat wurde in den letzten fünf Jahren die  Mehrheit der Mobiltelefone mit dem Micro-USB-Ladegerät ausgestattet, das es uns ermöglicht, unsere Kabel von einem Gerät zum anderen zu verwenden, bis hin zur Befüllung ganzer Schubladen. Die betrifft zwar die überwiegende Mehrheit, aber nicht Apple, die immer noch darauf bestehen, ihr iPhone mit einem speziellen Adapter auszustatten und deutlich hochpreisiger zu verkaufen. Ihre Adapter wurden seit dem "mutigen" Verschwinden der Kabel bei der Präsentation des iPhone 7 noch grotesker. Und ein Unternehmen, das 1000 Milliarden Euro am Aktienmarkt wert ist, kümmert sich sicherlich wenig um die Förderung eines einheitlichen Adapters.

(© Getty)

Auf Seiten der Behörden scheinen aber endlich die Grenzen der Geduld erreicht zu sein. Im Jahr 2013 hat der Ausschuss für Binnenmarkt für eine Entschließung gestimmt, während das Parlament und der Europäische Rat mit einer Stimme die Einrichtung des "einheitlichen Ladekabels", des quasi mystischen Objekts, das alle Geräte vereint, ermutigt haben. Im März 2014 wurde dann angenommen, dass der Streit zu Ende geht, wenn das Europäische Parlament eine Richtlinie verabschiedet, die festlegt, dass alle auf dem gemeinsamen Markt vermarkteten Funkgeräte innerhalb von drei Jahren mit den universellen Ladekabeln kompatibel sein müssen. 2017 sollte daher das Jahr der Harmonisierung gewesen sein, nicht nur von Mobiltelefonen, sondern auch von Tablets, GPS und anderen angeschlossenen Objekten. Apple interessierte das aber herzlich wenig.

Im Jahr 2018 scheint der Ärger also den EU-Wettbewerbskommissar erreicht zu haben. Nach so vielen Diskussionen seitens der Behörden ist es schwer zu sagen, ob die Androhung von Sanktionen die jüngsten Hersteller dazu drängen wird, sich dem neuen Standard, den USB-C, zu beugen, der bereits von den neueren Smartphones benutzt wird. Es ist ebenso schwer, festzulegen, welche Mittel Elzbieta Bienkowska, die für das Protokoll verantwortlich ist, beabsichtigt, einzusetzen, um einen Erfolg zu erzwingen. Die Androhung einer Geldstrafe wird für Apple sicherlich nicht ausreichen, um die Marketingstrategie aufzugeben, die ihre Finanzkraft ausgemacht hat. Von der Androhung von Schäden für die Umwelt ganz zu schweigen. Kurzum: Die Saga des universellen Ladegeräts wird noch einige Jahre weiter gehen.

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