Zürich: Kraftwerk, das autonome und günstige Haus der Zukunft, feiert Erfolge

Kraftwerk ist ein immenser Gebäudekomplex aus gemeinsam genutzten Räumen und günstigen Mietwohnungen, wo die Mieter auch Eigentümer sind.

(© Kraftwerk)

Im Immobilienmarkt zählt Zürich jedes Jahr zu den teuersten Städten der Welt. Um dieser unanständigen Eskalation entgegenzuwirken, und entsprechend einer Utopie, die in den Jahren 1980 entstanden ist, wurde im Jahr 2001 das Kraftwerk 1 unter der Regie des Architekten Hans Widmer gegründet. Und dieser hat bereits mit anderen Projekten von sich reden lassen: Er ist der Autor des weltberühmten Essays Bolo’Bolo (1983), das sich mit politischer Ökologie beschäftigt und autarke städtische Räume vermietet.

Die Idee von Kraftwerk? Ein riesiges Gebäude, in dem sich 125 Wohnungen und viele gemeinsam nutzbare Räume (Dächer, Innenhöfe...) befinden. Diese neue Wohnungsform vereint verschiedene soziale Gruppen, günstige Mieten, Gruppeneinkäufe, gemeinsame Nutzung, Solidaritätsfonds und umweltfreundliche Geräte.

Es gibt auch eine Gemeinschaftsküche, eine Kindertagesstätte, Workshops und gemeinsam nutzbare Gärten. Die Mieter beteiligen sich an der Genossenschaft und zahlen eine Miete, die 30 bis 50% billiger ist als sonstwo in Zürich. Dieses selbstfinanzierte Modell ist revolutionär und wird nun immer beliebter. Heute gibt es in Zürich bereits vier Kraftwerke (darunter eines im Bau) und 20% kooperativ genutzte Gebäude.

In dem Buch Choisir l’habitat partagé : L’Aventure de Kraftwerk, das im April 2018 herauskam, befasst sich der Forscher Adrien Poullain mit dieser utopischen, jetzt aber sehr real gewordenen Architektur. Es zeigt ebenso auf, dass Frankreich diese kooperativen Modelle mit wachsendem Interesse betrachtet, aber bisher noch keine Versuchungen unternommen hat. Sicherlich gibt es viele gemeinsam nutzbare Wohnkomplexe, die aber "oft von 10 bis 40 Menschen " bewohnt werden. Was wäre, wenn sich Frankreich ein Beispiel am Zürcher Modell nehmen würde?