Schweiz: Wenn die Kirche über die Einbeziehung der LGBTI-Community debattiert

Am 5. September haben nicht nur eine, sondern zwei christlich engagierte Vereine in der französischsprachigen Schweiz ihre Offenheit gegenüber der LGBTI-Community bewiesen.

(© Miguel Discart/CC/Flickr)

Le Courrier berichtete am 5. September, dass der christliche LGBTI und Verbündete-Verein Arc-en-Ciel (auf deutsch : Regenbogen) in Neuenburg zu seinem ersten öffentlichen Diskussionsabend Pfarrer Pierre Bühler eingeladen hat. Dieser sprach nach dem Gottesdienst über die Inklusion von LGBTIs in der Kirche. Sich auf das Studium des Evangeliums stützend, hat der Pfarrer eine radikal moderne und offene Interpretation der Heiligen Schriften geliefert. Beachtenswert waren die Zitate zweier Bibelstellen, in denen die Homosexualität im Vergleich zu anderen Inhalten als ein "sehr marginales Thema" bezeichnet wird.

Es wurden mehrere Themen angesprochen, nicht nur das herkömmliche System der binären sexuellen Klassifizierung, sondern auch "die Möglichkeit einer inklusiven Kirche." Le Courrier schreibt über eine von Pierre Bühler aufgeworfene Frage, die sich die Kirche schon längst hätte stellen können: "Warum muss Heterosexualität zwangsläufig zur Heteronormativität führen, obgleich die biologische Realität eindeutig sexuelle Ambiguitäten birgt?". Arc-en-Ciel wurde 2016 auf Initiative von zwei Pastorinnen und einer Beraterin der Kirchengemeinde gegründet und versammelte bei seiner ersten öffentlichen inklusiven Diskussionsrunde um die 30 Personen.

Wohlwollen gibt es schon, aber die alten Prinzipien bleiben fest verankert

In Genf organisierte die LGBTI-Antenne des sich selbst als "offene, inklusive und progressive Gemeinschaft" beschreibenden christlichen Vereins Le Lab einen offenen Abend, bei dem nicht das Hinterfragen des Themas, sondern Zeugenberichte im Vordergrund standen. Bei dem Treffen, das von dem Genfer "Forschungslabor" der evangelischen Kirche organisiert wurde, ging es hauptsächlich darum, auf welcher Art und Weise man diesen Neuankömmlingen die Pforten der Kirche öffnen sollte. Denn so einfach scheint das Willkommenheiβen laut Le Courrier nicht zu sein – weder für die Neuen, noch für die Alten, d.h. für jene, die schon immer Kirchenmitglieder waren. Der gute Wille existiert durchaus, aber die alten Prinzipien bezüglich Homosexualität bleiben fest verankert.

Le Lab wurde vor zwei Jahren gegründet und richtet sich an "18- bis 45-Jährige" auf der Suche nach "existenziellen und spirituellen" Antworten. Die LGBTI-Antenne versammelt sich ebenfalls einmal im Monat und organisiert an diesem Freitag (15/09) einen Schulungstag im Temple de Plainpalais. Die Teilnehmer können sich dort über alle LGBTI-Themen wie auch über Mittel zur Bekämpfung von Homophobie und Transphobie kundig machen. Anmeldung bei France Bossuet (France.bossuet@protestant.ch) oder unter T. 076 302 55 51.