Radioaktive Linsen in alten Kameras gefunden

Minolta, Leica, Kodak… Zwischen den Jahren 1940 und 1970 haben viele Kamerahersteller ihre Modelle mit Thorium-haltigen Linsen ausgestattet. Das Problem ist, dass diese Komponente zu der Zeit zwar verwendet wurden, um den Brechwinkel in der Linse zu erhöhen, allerdings auch einen großen Nachteil hatten: Radioaktivität.

© John Walker

Hinterlassen von einem Großvater oder in einem Flohmarkt gefunden, hat ihre Vintage-Kamera zwar ihren Charme, könnte aber auch radioaktiv sein. Den Beweis findet ihrin der gelben Linse, die sich durch das chemische Element Thorium, das vor etwa 50 Jahren von den Herstellern von Kameras verwendet wurde, verfärbt hat.

In den Jahren 1940 bis 1970 war Thorium-Dioxid eine der bevorzugten Komponenten für Linsen. Die Aufnahme von bis zu 40% in der Zusammensetzung des Glases ermöglichte es, den Brechungsindex der Optik zu erhöhen und gleichzeitig eine geringe Streuung sowie geringe Aberration und Verzerrung sicherzustellen.

Aber es gibt auch eine Kehrzeit der Medaille. Thorium ist nämlich ein instabiles Isotop, das eine unglückliche Tendenz hat, in radioaktives Radium zu mutieren. Ist eure Kamera auch eine kleine radioaktive Bombe? Mehrere Fotografen stellten sich die Frage. Mathieu Stern begegnete dem Thema mit Humor in einem Video, während John Walker, Gründer der Autodesk Design Company und Webseite Fourmilab, sich ebenso mit dieser Fragestellung auseinander setzte.

© John Walker

John Walker nahm einen Geiger-Müller Zähler, um die Strahlung durch das Objektiv seiner Leica M6, hergestellt im Jahr 1952, zu messen. Zuerst in seinem Büro, dann direkt neben dem Objektiv, erhielt er Messungen von 0,12 Mikrosievert pro Stunde in seinem Büro und 1,14 Mikrosievert pro Stunde in der Nähe des Objektivs. Es besteht jedoch noch kein Grund zur Panik, da die Strahlung während eines Scans nur eine Dosis von 10 Mikrosievert pro Stunde hatte.

Somit müsst ihr eure Vintage-Kameras nicht gleich wegwerfen, da die Strahlung durch die Thorium-Objektive von der Luft absorbiert wird, und bereits wenige Zentimeter vom Optik entfernt, die gemessenen Mengen bereits nichtig sind.

Ein echtes Risiko für eure Gesundheit besteht erst dann, wenn ihr das Objektiv täglich auf der Haut für einen längeren Zeitraum haltet. Dennoch wird die wahrgenommene Dosis auf der entsprechenden Stelle auf eurer Haut niemals die Höhe der kosmischen Strahlung eines Langstreckenfluges erreichen.

© John Walker

© John Walker

Culturophile pratiquante.