Cannes: Kristen Stewart zieht auf dem roten Teppich ihre High Heels aus (und verpasst dem Dresscode eine Ohrfeige)

Die amerikanische Schauspielerin rebelliert gegen den veralteten Dresscode der Filmfestspiele in Cannes.

Kristen Stewart auf dem Cannes Film Festival am 14. Mai 2018. (© Stephane Cardinale/Getty Images) (© Stephane Cardinale/Getty Images)

Am Montag, den 14. Mai, anlässlich der Vorführung von Spike Lees Film BlacKkKlansman auf dem Cannes Festival, sorgte Kristen Stewart auf dem roten Teppich für Aufsehen. Aber dieses Mal ging es nicht um ihr hübsches Gesicht. Das Mitglied der diesjährigen Jury (Vorsitz in diesem Jahr von Cate Blanchett) zog vor den Fotografen ihre Christian Louboutin Stilettos aus und ging den Rest zu Fuss auf dem roten Teppich.

Auch wenn diese Geste trivial erscheint, so hat sie doch eine symbolische Bedeutung: Sie könnte nämlich auch ihre Bereitschaft widerspiegeln, gegen die als sexistisch empfundene Kleiderordnung in Cannes zu rebellieren. Und dabei wäre die Schauspielerin längst nicht die Erste, die rebelliert. Es hatte bereits mehrere Aufruhre in der Vergangenheit gegen die strenge Kleiderordnung während der Veranstaltung gegeben, das erste Mal bei einem Interview für The Hollywood Reporter im Jahr 2015:

"Wenn Sie nicht auch die Männer dazu zwingen, in Kleid und hohen Schuhen zu kommen, können Sie mich auch nicht zwingen."

Dann in einem Interview für Vanity Fair im folgenden Jahr:

"Wenn ein Mann und ich über den roten Teppich gingen und jemand hielte mich an und würde sagen:‘ Entschuldigen Sie, junge Dame, Sie tragen keine hohen Schuhe. Sie können nicht weiter gehen', dann würde ich antworten:'Dann darf mein Freund auch nicht. Muss er keine Heels tragen?'[...] Du kannst nicht von mir erwarten, was du selbst nicht tust. Ich verstehe die Idee der schwarzen Krawatte, aber ob Heels oder flache Schuhe sollte dabei keine Rolle spielen."

Ein oft kritisierter Dress Code

Das von der Veranstaltung auferlegte Protokoll lässt wenig Raum für Fantasie. Laut der offiziellen Webseite der Filmfestspiele von Cannes erfordert der Zugang zu den Gala-Sessions "das Tragen eines Smokings oder eines Abendkleides". Auch wenn Thierry Frémaux, Generaldelegierter der Veranstaltung, sichergestellt hatte, dass "Frauen die Schuhe tragen sollen, die sie wollen", so scheint das aber in Wahrheit nicht ganz zu stimmen... Prestige verpflichtet eben.

Im Jahr 2015 sorgte die auferlegte Kleiderordnung am Anfang für eine Kontroverse, als einige über-50-jährige Frauen den Zugang zur Projektion des Films Carol aufgrund der Abwesenheit-oder der unzureichenden Höhe-ihrer Absätze (einige trugen aus medizinischen Gründen Ballerinas) untersagt bekamen. Diese Politik wurde damals von der britischen Schauspielerin Emily Blunt stark verurteilt:

"Jeder sollte flache Schuhe tragen, um ehrlich zu sein. Wir sollten keine Absätze tragen. Es ist sehr enttäuschend, gerade wenn man bedenkt, dass es neue Impulse für Gleichheit gibt... "

Im folgenden Jahr hatte die Schauspielerin Julia Roberts ebenso auf dem roten Teppich in Cannes ihre Pumps ausgezogen, bevor sie barfuß die Treppe aufstieg. Eine sichtbar inspirierende Initiative. Denn wenn diese 71 Ausgabe von Frauen und dem Fortschritt handeln soll, sollten wir vielleicht auch genau damit beginnen.